Über die Kunst und Fertigkeit des Skidesigns: ein Gespräch mit Bruno Ameye
Dürfen wir vorstellen: Bruno, Bruno Ameye. Der Designer kann auf über drei Jahrzehnte Berufserfahrung zurückblicken, von denen er schon beeindruckende 24 Jahre bei Salomon verbracht hat. Dort hat er unter anderem maßgeblich dazu beigetragen, die visuelle Identität der Marke zu schärfen und verschiedene Produktinnovationen hervorzubringen. Bruno war unter anderem als Graphic Artist, Colorist und Senior Designer tätig und hat die innovative Performance-Ausrüstung der Marke nachhaltig geprägt.
“Meine Zeit bei Salomon war wahrlich transformativ. Über die Jahre habe ich ein gutes Auge für Details entwickelt und gelernt, dass sich gutes Design vor allem durch eine perfekte Balance aus Form und Funktion auszeichnet. ”
Bruno Ameye
Skidesigner
SALOMON: Du bist seit beachtlichen 24 Jahren bei Salomon. Wie hat diese lange Zeit im Unternehmen deine Designphilosophie geprägt und was waren die größten Herausforderungen, denen du dabei begegnet bist?
Bruno Ameye: Meine Zeit bei Salomon war wahrlich transformativ. Über die Jahre habe ich ein gutes Auge für Details entwickelt und gelernt, dass sich gutes Design vor allem durch eine perfekte Balance aus Form und Funktion auszeichnet. Eine meiner größten Herausforderungen besteht darin, meine Kreativität lebendig zu halten. Die Gefahr ist groß, in Routinen zu verfallen, daher muss ich meine Sinne immer wieder schärfen und darf mich nicht zurücklehnen. Jedes Projekt erfordert einen neuen Ansatz, eine andere Energie. Das bedeutet manchmal auch, einen Schritt zurückzugehen und alles neu zu überdenken. Durch das dynamische, innovative Umfeld bei Salomon muss ich mich ständig anpassen und weiterentwickeln. Das war nicht immer einfach, aber es hat sich unwahrscheinlich gelohnt.
S: Was machst du, wenn du nicht für Salomon tätig bist?
BA: Neben meiner Arbeit für Salomon verfolge ich verschiedene kreative Projekte. Ich liebe es, individuelle Möbel oder Leuchten zu gestalten und schrecke auch vor Musikinstrumenten nicht zurück. Solche Projekte, bei denen ich mit meinen Händen arbeite, lassen meine Leidenschaft für Handwerkskunst aufleben. Auf diese Weise kann ich meine Wertschätzung für handwerkliches Geschick in etwas Greifbares umwandeln, ich kann Kreativität mit Funktionalität verbinden. Außerdem verspüre ich eine große Sympathie für den ganzheitlichen Ansatz von Jean Prouvé, der industrielle Techniken mit Handwerkskunst vereint.
Wenn ich nicht an Designprojekten arbeite, verbringe ich viel Zeit in der Natur, zum Beispiel mit Outdoor-Sportarten wie Wandern oder Kanufahren, oder genieße es einfach, draußen an der frischen Luft zu sein. Darüber hinaus lese ich sehr gern, gehe ins Kino und höre Musik. Das hält meinen kreativen Geist wach und sorgt für einen gewissen Ausgleich. Durch diese Dinge außerhalb der Arbeit kann ich ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Kreativität, Natur und Design aufrechterhalten.
S: Deine Liebe zur Natur und zu entspannenden Outdoor-Aktivitäten wie Wandern oder Kanufahren spielt augenscheinlich eine wichtige Rolle in deinem Leben. Wie wirkt sich das auf deine Designphilosophie aus, insbesondere im Hinblick auf den Outdoor- und Sportbereich?
BA: Die Natur ist meine beste Ratgeberin. Ihr wohnt eine besondere Reinheit inne, die in ihrer klaren Funktionsweise Ausdruck findet: Alles erfüllt einen Zweck, nichts fühlt sich überflüssig an. Wenn ich wandern oder paddeln gehe, beobachte ich mich dabei, wie ich mir vor Augen führe, wie die Dinge im Fluss sind und ineinandergreifen. Diese schlichte Simplizität leitet meine Designs. Ich strebe stets nach Produkten, die sich wie eine offensichtliche, natürliche Lösung für ein bestimmtes Bedürfnis anfühlen – etwas, das so gut passt, dass es im Hintergrund fast verschwimmt. Es geht darum, Ausrüstung zu entwerfen, die nicht nur super performt, sondern sich auch richtig anfühlt und auf einer instinktiveren Ebene eine bestimmte Verbindung zu den Menschen eingeht.
S: Im Sport geht es für dich nicht um Wettbewerb, sondern um Verbundenheit und eine gewisse Gedankentiefe. Wie übersetzt du diese Haltung in deine Arbeit an High-Performance-Produkten wie der S/LAB NORDIC Reihe, die dafür bekannt ist, technologische Grenzen im Bereich Langlaufausrüstung zu verschieben?
BA: Die S/LAB NORDIC Reihe war eine interessante Herausforderung, da wir es mit höchst innovativer Technologie zu tun hatten, vor allem mit Carbon. Gleichzeitig aber sollte jeder Ski einen ganz eigenen Charakter erhalten – so wie in der Natur, wo sich keine zwei Dinge gleichen. Also haben wir uns auf diese kleinen Unvollkommenheiten eingelassen, die natürlich auch bei der Herstellung vorkommen. Jeder Ski musste zwar durch Präzision glänzen, sich gleichzeitig aber auch vollkommen einzigartig anfühlen. Für mich ging es daher nicht nur um Performance; ich wollte auch etwas schaffen, das sich sehr persönlich anfühlt. Selbst beim Design von High-Performance-Ausrüstung ist es wichtig, diese Verbundenheit aufrechtzuerhalten, damit die Leute das Gefühl haben, ihre Ski sind eine Erweiterung ihres eigenen Ich.
“Für mich ging es daher nicht nur um Performance; ich wollte auch etwas schaffen, das sich sehr persönlich anfühlt. ”
Bruno Ameye
Skidesigner
Bruno Ameyes Weg bei Salomon ist ein Zeugnis für die Kraft von Innovation, Handwerkskunst und einer tiefen Verbundenheit zur Natur. Brunos Fähigkeit, technische Präzision mit einer visionären Ästhetik in Einklang zu bringen, hat Produkte hervorgebracht, die nicht nur auf absolutem Top-Niveau performen, sondern Athlet\*innen auch emotional ansprechen. Von seinen Anfängen bis hin zu seinen jüngsten Designprojekten hat Bruno immer wieder gezeigt, dass großartiges Design über Funktionalität hinausgeht: Es erzählt eine Geschichte, stellt eine Verbindung zu den Menschen her und spiegelt die Schönheit der Natur wider. Sein bleibendes Vermächtnis bei Salomon dient zukünftigen Designer\*innen als Inspiration und ruft sie dazu auf, neugierig, anpassungsfähig und tief mit der Umwelt, für die sie Dinge gestalten, verbunden zu bleiben.