Kannst du Ski fahren, wenn du schwanger bist?
Ein Ratgeber für die Shredderinnen unter den werdenden Supermamas
In diesem umfassenden Ratgeber erfährst du mehr über mögliche Risiken, Vorsichtsmaßnahmen, Vorteile und sonstige Tipps von Experten für schwangere Skifahrerinnen. Damit du auch während der Schwangerschaft Abenteuer erleben kannst und dabei auf der sicheren Seite bleibst.
Skifahren während der Schwangerschaft: Ratschläge zu Sicherheit und Alternativen
Kannst du gefahrlos Ski fahren, wenn du schwanger bist? Joséphine Bourguignon, eine auf abdominopelvine Perinatalmedizin spezialisierte Physiotherapeutin aus dem französischen Annecy, die Sportlerinnen in verschiedenen Lebensabschnitten begleitet, sagt dazu: „Im Prinzip ja. Während der Schwangerschaft ist geeignete körperliche Aktivität besonders von Vorteil, weil sie der Gesundheit der Mutter zugutekommt und dazu beiträgt, Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck zu vermeiden.
Das Skifahren ist allerdings eine Sportart, die unter bestimmten Umständen die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden kann.“ Es versteht sich daher im Grunde von selbst, dass Schwangere dieses Thema mit ihren Ärztinnen oder Ärzten eingehend besprechen sollten, bevor sie sich die Skischuhe anschnallen.
In diesem Artikel erläutert Joséphine einige der Faktoren rund um die Sicherheit, zu ergreifende Vorsichtsmaßnahmen und mögliche risikoärmere Alternativen zum Alpinskifahren, z. B. das Langlaufen.
Vorteile sportlicher Betätigung während der Schwangerschaft
Die folgenden Hauptelemente der sportlichen Bewegung sind während der Schwangerschaft empfohlen:
1\. Moderates Herz-Kreislauf-Training: Dies trägt zu einer guten Atmungskapazität (VO2) bei und fördert die Durchblutung, was für das Baby wichtig ist.
2\. Propriozeption: Diese Art von Übungen verbessert die Balance und die Stabilität – ein wichtiger Aspekt, weil sich das Gleichgewichtsgefühl mit fortschreitender Schwangerschaft häufig verändert.
3\. Muskelkräftigung: Es ist wichtig, dass du deine muskelkräftigenden Routinen fortführst, vor allem für die unteren Gliedmaßen und die Fußmuskulatur. Besonders dynamische Core-Workouts helfen dir, den Rumpf zu stabilisieren und das Gleichgewicht zu halten.
Mögliche Risiken beim Skifahren während der Schwangerschaft
Du gleitest durch den Schnee, spürst die Sonne auf dem Gesicht und die frische Bergluft im Haar – das kann das beste Gefühl der Welt sein. Wenn du aber keine erfahrene Skifahrerin bist, musst du mit plötzlichen Stürzen rechnen.
Dabei gilt es laut Joséphine, sich der folgenden Risiken für Schwangere bewusst zu sein:
Sturzrisiko
Gegen Ende der Schwangerschaft ist das Gleichgewichtsgefühl häufig beeinträchtigt. Das kann zu einem erhöhten Sturzrisiko führen, besonders bei Aktivitäten wie dem Skifahren. Stürze können Komplikationen wie eine Plazentaablösung nach sich ziehen, die sehr ernst zu nehmen sind.
Während der Schwangerschaft solltest du deshalb darauf achten, vorsichtig Ski zu fahren und deine Geschwindigkeit zu verringern, damit eventuelle Stürze möglichst wenig schwerwiegend ausfallen. Für einige werdende Mütter ist das Skifahren absolut kontraindiziert, z. B. bei einer Placenta praevia.
Risiko von osteoartikulären Verletzungen
Beckenfrakturen, Kreuzbandrisse und Bänderschmerzen im Beckenbereich können gefährlich sein, da sie Schwangerschaftskomplikationen verursachen können. Beim Skating-Langlauf muss besonders das Risiko einer Pubalgie im Blick behalten werden, eine chronische Verletzung im Schambeinbereich, die zu einer zunehmenden Schwäche der Leistenwand führt. Auch Kurzatmigkeit bei starken Belastungen kann für schwangere Frauen gefährlich werden, wenn sie über 20 Minuten anhält.
Risiko für die Beckenstatik
Heftige Stöße können Dammverletzungen verursachen. Kommt es zu solchen Stößen, muss man unbedingt ein Auge darauf haben, ob dies eine Blasenschwäche, Schweregefühle und/oder Blutungen nach sich zieht.
Risiken rund um das Herz-Kreislauf-System und die Körpertemperatur
Intensive körperliche Belastungen können zu einem Anstieg der Körpertemperatur und zu Atemnot führen, die den Wert 8 von 10 auf der Borg-Skala übersteigt. Um dein Baby bestmöglich zu schützen, solltest du dafür sorgen, dass diese Zustände nicht länger als 20 Minuten andauern.
Es ist auch ratsam, deine Aktivitäten auf Höhen von unter 2.500 Metern zu beschränken, weil der reduzierte Sauerstoffgehalt der Luft in höheren Lagen die Gefäßbildung in der Plazenta und die Sauerstoffversorgung des Babys beeinträchtigen kann.
Risiko eines Energiedefizits
Schwangere Athletinnen müssen darauf achtgeben, Energiedefizite zu vermeiden. Da das Skifahren und andere körperliche Aktivitäten deinen Energiebedarf erhöhen, ist es dringend angeraten, sich ausreichend mit Energie zu versorgen, um nicht in eine Unterversorgung zu geraten.
Wichtige Faktoren rund um das Skifahren während der Schwangerschaft
Folgende Faktoren solltest du berücksichtigen, bevor du in der Schwangerschaft Ski fährst: dein fahrerisches Können, das Gelände, die aktuellen Verhältnisse im Skigebiet, deine Fitness und dein Energielevel sowie die Schwangerschaftsphase, in der du dich befindest.
Fahrerisches Können und Erfahrung
Das Skifahren lässt sich einfach erlernen und ist eine wunderbare Möglichkeit, sich in der freien Natur sportlich zu betätigen. Ein typischer Skitag kann aber auch mit schweren Stürzen bei hohem Tempo verbunden sein. Wenn du also noch nicht sehr erfahren und gut geübt darin bist, solltest du mit dem Skifahren auf jeden Fall bis nach der Geburt warten.
Gelände und Verhältnisse im Skigebiet
Bei fragwürdigen Verhältnissen im Skigebiet sollten selbst erfahrene Skifahrerinnen es sich während der Schwangerschaft zweimal überlegen, ob der Zeitpunkt optimal für ein paar Schwünge im Schnee ist. Beispielsweise sind vereiste Hänge, frei liegende Felsen, schlechte Sicht, ein hohes Lawinenrisiko und insbesondere überfüllte Pisten objektive Gefahren, durch die das Risiko erheblich steigt.
Körperliche Fitness und Energielevel
Die körperliche und mentale Vorbereitung ist ganz wesentlich für eine erfüllende Schwangerschaft und eine optimale Erholung nach der Geburt. Da das Skifahren eine saisonale Sportart ist, passen erfahrene Skifahrerinnen ihr Training ganz selbstverständlich an die Jahreszeit an. Im Sommer halten sich Athletinnen mit Radfahren, Laufen oder Muskelkräftigung bis zum Winter in Form. Diese Art von Training ist auch für schwangere Frauen von Vorteil, die dadurch fit bleiben und sich auf die Rückkehr in den Sport vorbereiten können.
Das ist allerdings nicht immer einfach, während du mit morgendlicher Übelkeit zu kämpfen hast und schlecht schläfst. Wenn du dich also nicht ganz auf der Höhe oder einfach schwer fühlst, kannst du stattdessen weniger anstrengende Aktivitäten wie einen Spaziergang oder eine belebende Yogastunde als Alternativen in Betracht ziehen.
Langlauf als Alternative zum Alpinskifahren für schwangere Frauen
Es ist wichtig, dich ausreichend zu bewegen, wenn du schwanger bist. Wie schon erwähnt, sind Sportarten wie Yoga, Schwimmen und leichtes aerobes Workout das ganze Jahr über hervorragende Optionen.
Aber was tun, wenn es anfängt zu schneien und es dich einfach unwiderstehlich nach draußen ins glitzernde Weiß zieht? Wie wäre es dann mit Skilanglauf?
Skilanglauf ist eine Aktivität mit niedriger Intensität, die viele derselben körperlichen und mentalen Vorteile bietet wie das Alpinskifahren.
Da die Bewegungen dabei relativ stabil und weniger intensiv sind, bietet sich das klassische Langlaufen (besonders gegen Ende der Schwangerschaft) als gute Alternative für schwangere Frauen an, die darin bereits Erfahrung haben. Diese Sportart ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, an die frische Luft zu kommen und dabei das Risiko von Stürzen und Verletzungen zu verringern.
Auch das Skating ist hervorragend geeignet, um das Herz-Kreislauf-System anzuregen – allerdings nur für Schwangere, die diese Sportart bereits sehr gut beherrschen. Wenn du noch nie geskatet bist, empfiehlt sich diese Disziplin nicht, weil die mangelnde Balance zu Schmerzen im Schambeinbereich führen kann. Und natürlich solltest du dieselben Vorsichtsmaßnahmen ergreifen wie beim Alpinskifahren: Vermeide es, zu überhitzen, zu lange außer Atem zu geraten, dich zu überanstrengen etc.
Triff die beste Entscheidung für dich und dein Baby
Wie du sehen kannst, spielen viele Faktoren eine Rolle bei der Entscheidung, ob das Skifahren während der Schwangerschaft für dich sicher ist. Jede Schwangerschaft ist individuell. Was für dich richtig ist, kann für eine andere Skifahrerin ungünstig sein, selbst wenn sie die gleiche Leidenschaft und das gleiche Können hat wie du.
Eines bleibt in jedem Fall wichtig: das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu suchen, damit du genau weißt, mit welchen Risiken und Vorteilen deine Entscheidung einhergeht.
Profi-Athletin im Fokus: Tamara Tippler
Tamara Tippler ist eine 33-jährige österreichische Skirennläuferin in den Disziplinen Super-G und Abfahrt, die zu Beginn der Saison 23/24 schwanger wurde und am 20. September eine Tochter zur Welt brachte.
„Die Ärzte waren nicht glücklich mit meiner Entscheidung, weiter Rennen zu fahren. Es war ein bisschen crazy, aber beim ersten Rennen gar kein Problem – ich fuhr so leistungsfähig wie immer und spürte keinen Unterschied. Doch dann absolvierten wir ein Speed-Wochenende, und da war es auf einmal anders. Ich konnte nicht an meine Grenzen gehen, konnte einfach nicht alles geben. Ab der 18\. oder 19. Schwangerschaftswoche hörte ich deshalb mit dem Skifahren auf.
Ich liebe das Skifahren. Schon als Kind bin ich Rennen gefahren – das ist alles für mich, meine Passion, mein Job. Aber ich entschied mich, eine Pause einzulegen, weil ich nicht mehr auf meinem gewohnten Level performen konnte. Etwas in mir möchte einfach immer schnell fahren, und nachdem mein Baby zur Welt kam, wollte ich wieder in den Rennsport zurück. Aber das war nicht so einfach wie gedacht. Ich hatte mit den physischen wie mentalen Aspekten zu kämpfen. Das war eine verrückte Zeit, ich schrammte knapp an einem mentalen Zusammenbruch vorbei. Aber meine Familie war für mich da und hat mich unterstützt. Ohne meine Mutter und meinen Freund wäre das alles nicht möglich gewesen.
Jetzt fühle ich mich besser und freue mich, wieder Ski fahren zu können. Es ist nicht einfach, aber wenn ich es nicht versuche, werde ich nie Gewissheit haben!“