Ski Freestyle bei den Olympischen Spielen: Diese Disziplinen sind dabei
Zum ersten Mal erschien Ski Freestyle 1988 in Calgary auf der olympischen Bühne, als die Buckelpisten-Disziplin Moguls sowie Skiballett und Aerials als Demonstrationssportarten zugelassen wurden. Bei den Olympischen Spielen 1992 gewann Moguls den Medaillenstatus, gefolgt von Aerials im Jahr 1994, Skicross im Jahr 2010 sowie Slopestyle und Halfpipe im Jahr 2014. Bei den Olympischen Spielen 2022 gibt es drei neue Disziplinen: Big Air und Mixed Team Aerials.
In diesem Jahr werden olympische Medaillen in drei neuen Disziplinen vergeben: Big Air Damen, Big Air Herren und Mixed Team Aerials.Für alle Hardcore-Skiballett-Fans unter euch: Leider ist dieser Sport immer noch nicht bei den Olympischen Spielen vertreten. Dadurch wird diese Ski-Disziplin zur letzten, die noch ein echtes Rebellenleben führt!
Halfpipe
Bei dieser Disziplin durchfahren die Athleten eine Schnee-Halfpipe mit 6,7 Meter hohen Wänden, springen an beiden Seiten von den Kanten ab und zeigen atemberaubende Tricks in der Luft. Fünf Preisrichter bewerten die Tricks hinsichtlich Höhe, Schwierigkeit, Variation, Ausführung und Progression (Bekanntheitsgrad des Tricks) und vergeben basierend auf dem Gesamteindruck des Runs Punkte von 1 bis 100. Die Punktzahl für den Run eines jeden Teilnehmers ergibt sich aus dem Durchschnitt der fünf Wertungen der Punktrichter. Das Finale ist unglaublich spannend, da der beste von drei Runs der Skifahrer bewertet wird. Bis zum letzten Run kann also jeder gewinnen!
- Goldmedaillengewinnerin Halfpipe bei den Olympischen Spielen 2018: Cassie Sharp (CAN)
- Goldmedaillengewinner Halfpipe bei den Olympischen Spielen 2018: David Wise (USA)
Big Air (neue Disziplin!)
Seit vielen Jahren zählt die Disziplin Big Air bei X-Games und anderen Events zu den absoluten Publikumslieblingen. 2022 feiert sie nun auch endlich ihr olympisches Debüt. Beim Big Air fahren Skifahrer in einer geraden Linie auf eine steile Schanze zu, um genügend Geschwindigkeit für einen gewaltigen Sprung aufnehmen zu können. In der Luft zeigen sie dann eine Kombi aus schwierigen Manövern. Die Punktrichter achten auf Höhe, Schwierigkeit und Ausführung des Tricks sowie auf eine weiche Landung. Wie bei der Halfpipe werden die Medaillengewinner nach ihrem besten von drei Runs bestimmt.
Slopestyle
Bei dieser Disziplin bewältigen die Athleten einen Parcours mit Schanzen, Rails und Sprüngen, zeigen neben und über ihnen Tricks auf und beenden den Run schließlich mit einem gewaltigen Air Jump. Fünf oder sechs Punktrichter (laut FIS ist beides möglich) bewerten den Run eines Athleten mit Punkten von 1 bis 100. Die Tricks werden nach Schwierigkeit, Höhe, Ausführung, Variation und Progression (Bekanntheitsgrad des Tricks) bewertet und am Schluss kommen noch Punkte für den Gesamteindruck des Runs hinzu. Im Finale wird der beste von drei Runs der Athleten bewertet – dadurch bleibt es bis zum letzten Run des letzten Teilnehmers spannend.
- Goldmedaillengewinnerin Slopestyle bei den Olympischen Spielen 2018: Sarah Höfflin (SUI)
- Goldmedaillengewinner Slopestyle bei den Olympischen Spielen 2018: Øystein Bråten (NOR)
Skicross
Beim Skicross treten vier Skifahrer bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen auf einer Piste gegeneinander an, die mit Steilkurven, Rollen und Sprüngen in allen Größen und Formen gespickt ist. Skicross ist die einzige olympische Ski Freestyle Disziplin, bei der einzig die Zeit zählt: Der bzw. die schnellste gewinnt! Die Athleten starten mit einem Solo-Qualifikationsdurchgang. Die Zeit dieses Runs bestimmt ihren Platz innerhalb der ersten sogenannten Heats mit je vier Läufern. In jedem Heat rücken die zwei schnellsten zur nächsten Runde vor – bis zur letzten Runde, dem großen Finale, in der die Medaillen vergeben werden. Es lässt sich nicht vermeiden, bei einem Run mit anderen Läufern in Kontakt zu kommen. Sollte das jedoch absichtlich passieren, ist das ein Disqualifikationsgrund.
- Goldmedaillengewinnerin Skicross bei den Olympischen Spielen 2018: Kelsey Serwa (CAN)
- Goldmedaillengewinner Skicross bei den Olympischen Spielen 2018: Brady Leman (CAN)
Moguls
Die Disziplin Moguls besteht aus einem Zeitrennen auf einer Buckelpiste mit zwei Sprüngen. Zwei Punktrichter-Teams bewerten die Runs: Team 1 besteht aus fünf Punktrichtern, die die Technik der Athleten auf der Buckelpiste bewerten, Team 2 aus zwei Punktrichtern, die die Sprünge bewerten. Maximal können 100 Punkte erreicht werden, wobei sowohl die Zeit als auch die Punkte für die folgenden Komponenten zählen:
- Turns/Technik: 60 % (Fahren in der Falllinie, Carving, Einsatz der Beine, entspannter Oberkörper)
- Sprünge: 20 % (Qualität, Höhe, fließende Bewegung)
- Geschwindigkeit: 20 % (die gemessene Zeit des Runs)
Von den 30 Athleten, die je einen Qualifikationsdurchgang absolvieren, ziehen die zehn besten direkt ins Finale ein. Die anderen 20 treten bei einem weiteren Run gegeneinander an, wobei die besten 10 ebenfalls in die Endrunde einziehen. Die 20 Finalisten absolvieren je einen Run und die besten 12 Teilnehmer kommen in die Finalrunde 2, aus der die besten sechs ins Superfinale einziehen. Die Ergebnisse des Superfinales bestimmen die endgültige Rangliste mit den Gold-, Silber- und Bronzemedaillengewinnern.
- Goldmedaillengewinnerin Moguls bei den Olympischen Spielen 2018: Perrine Laffont (FRA)
- Goldmedaillengewinner Moguls bei den Olympischen Spielen 2018: Mikaël Kingsbury (CAN)
Aerials
Bei dieser Disziplin zeigen die Athleten in bis zu vier Metern Höhe eine Kombination aus Saltos und Schrauben. Ihr Punktestand ergibt sich aus der Summe der Punkte für Sprung, Ausführung und Landung (insgesamt maximal 30 Punkte), der anschließend je nach Schwierigkeitsgrad multipliziert wird (maximal 5,0). Aus der Wertung fallen die höchsten und niedrigsten Punkte der fünf Punktrichter, die restlichen drei werden addiert. Die maximal mögliche Punktzahl liegt bei 150 (30 x 5).Fünf Punktrichter bewerten Sprung, Ausführung und Landung wie folgt:
- Ausführung: 50 % (Balance, Technik, Stabilität)
- Landung: 30 % (Balance, Stabilität, Kontrolle)
- Sprung: 20 % (50 % technischer Absprung, 50 % Höhe und Weite)
Die besten sechs von 25 Athleten rücken nach einem Durchgang direkt ins Finale vor. Die 19 übrigen Skifahrer absolvieren einen weiteren Run, wobei die höchste Punktzahl der zwei Durchgänge sechs weitere Finalisten bestimmt. Für die besten neun der zwölf Finalisten geht es nach einem Run in die Finalrunde 2. Die sechs Athleten mit den höchsten Punkten in dieser Runde rücken ins Superfinale ein, in dem die Athleten zwei weitere Sprünge zeigen. Der- oder diejenige mit der höchsten Punktzahl sichert sich Gold.
- Goldmedaillengewinnerin Aerials bei den Olympischen Spielen 2018: Hanna Huskova (BLR)
- Goldmedaillengewinner Aerials bei den Olympischen Spielen 2018: Oleksandr Abramenko (UKR)
Mixed Team Aerials (neue Disziplin!)
Die Basics dieser Disziplin haben wir unter „Aerials“ bereits erklärt. Beim Mixed Team Event besteht jedes Team aus drei Athleten: entweder eine Skifahrerin und zwei Skifahrer oder andersrum. Die Punkte der drei Teammitglieder werden zu einem Gesamtpunktestand addiert und die vier Top Teams rücken direkt ins Superfinale vor.
Nachdem du dir jetzt all das durchgelesen hast, fragst dich vielleicht wie viele andere: „Aerials und Big Air hören sich ziemlich gleich an, wo liegt eigentlich der Unterschied?“
Big Air vs. Aerials – was ist der Unterschied?
Big Air und Aerials hören sich tatsächlich ziemlich gleich an, es gibt aber ein paar wichtige Unterschiede. Big Air Skiing hat seinen Ursprung im Big Air Snowboarding. Die Athleten fahren locker, tief in den Knien und entspannt auf die Schanze zu und drehen ihren Körper dann nach oben, um den höchstmöglichen Drehimpuls für den Absprung zu generieren. In der Luft liegt der Fokus auf der Schwierigkeit des Tricks, doch auch der Style ist wichtig – Big Air Athleten sollen locker, relaxed und beweglich aussehen.
Aerial Skiing könnte man am ehesten mit Turnen oder vielleicht Turmspringen vergleichen. Aerial Athleten springen gerade, gestreckt und steif von der Schanze ab. In der Luft liegt der Fokus auf der technischen Schwierigkeit und dabei stark auf Präzision und Kontrolle. Auf der Schanze und in der Luft sehen die Bewegungen der Skifahrer mechanischer, schon fast roboterhaft aus.
So, das wär’s: Als frisch gebackener Ski Freestyle Pro kannst du die Olympischen Spiele sicher kaum noch abwarten. Jetzt brauchst du nur noch die Flagge deines Landes und eine Kuhglocke – die standesgemäße Ausrüstung von Fans an der Piste und der Pipe. Mögen die Spiele beginnen!
„Gewusst wie“-Artikel und Equipment-Informationen findest du auf der Seite Storys und Guides zum Thema Skifahren.