Mehr als nur Gorpcore: Eine Begegnung mit dem Salomon Sportstyle
Der Begriff „Gorpcore“ wurde 2017 geprägt und steht für „Good Ol’ Raisins and Peanuts“. Er bezieht sich auf das Tragen von Outdoor-Bekleidung aus Tech-Materialien außerhalb der tatsächlich zugedachten Umgebung: Trail Running Schuhe für Spaziergänge durch Paris oder eine wasserdichte Shelljacke, um in den Straßen von London trocken zu bleiben. Wir haben mit Alex Van Oostrum vom Sportstyle Footwear Team von Salomon gesprochen, der uns erklärt, wie die Marke ihre Partner für das Design ihrer Footwear auswählt, warum ihn eine Hassliebe mit dem Begriff „Gorpcore“ verbindet. Dazu erzählt er uns mehr über das Team, das hinter den Schuhen steckt, die auf den Laufstegen der Welt zu sehen sind.
“Alles begann im Jahr 2015 mit dem Snowcross-Schuh, der das Interesse des Pariser Einzelhändlers The Broken Arm erregte. Damals wurde sich Salomon zum ersten Mal bewusst, dass seine Schuhe auch für den Bereich Lifestyle von Bedeutung sein könnten. ”

Alexander Van Oostrum
Marketing Manager Salomon Sportstyle
Salomon war mir rund um Sport und Outdoor schon immer ein Begriff – aber wie und warum erlangte Salomon eine solche Bedeutung in der Sportstyle-Footwear?
Alles begann im Jahr 2015 mit dem Snowcross Schuh. Der Pariser Einzelhändler The Broken Arm sah einen Kunden, der diesen Schuh trug und sprach ihn darauf an. Daraufhin wandte sich The Broken Arm an Salomon mit dem Hinweis, dass unsere Footwear im Bereich Sportstyle Potenzial hätte. So kam die erste Kollaboration mit The Broken Arm zustande. Damals wurde Salomon zum ersten Mal bewusst, dass die eigene Marke Lifestyle-Relevanz haben könnte. Es folgte eine Anfrage des Designers Boris Bidjan, der seine Konfektionsmarke ergänzen wollte. Er kreierte 11 by Boris Bidjan unter Anwendung seiner Handwerkskunst und dem Einsatz einer bestimmten Färbetechnik, während er zugleich auf die Materialverwendung achtete. Alle Designs wurden in Barcelona handgefertigt. Das geschah 2016. Ein Jahr später, im Frühjahr 2017, wurde das erste Modell auf dem Markt eingeführt. Es trug den Namen Bamba 1 und basierte auf dem Salomon Speedcross.Zu dieser Zeit erkannte Salomon, dass funktionale Vorteile für eine breitere Nutzung unserer Footwear jenseits des Trail Runnings existierten: Das Chassis des Schuhs hatte etwas mit Stabilität, die Sensifit-Technologie etwas mit Halt und Quicklace war sowieso super praktisch. Die Schuhe waren schnell und leicht, aber auch schlank und bequem, was sie zu einer guten Basis für Designer machte.
“Alles begann im Jahr 2015 mit dem Snowcross-Schuh, der das Interesse des Pariser Einzelhändlers The Broken Arm erregte. Damals wurde sich Salomon zum ersten Mal bewusst, dass seine Schuhe auch für den Bereich Lifestyle von Bedeutung sein könnten.”

Alexander Van Oostrum
Marketing Manager Salomon Sportstyle
Hat die gestiegene Nachfrage nach Salomon im Lifestyle-Bereich den Ansatz bei der Entwicklung von Footwear für diese Zielgruppe verändert?
Nicht wirklich, würde ich sagen. Salomon denkt nach wie vor, dass funktionaler Nutzen auch im Lifestyle-Segment seinen Platz hat. Du kannst Ähnliches bei anderen Marken beobachten … wie zum Beispiel bei Air by Nike, Gel by Asics oder Encap by New Balance. Dieses Laufschuh-Angebot wurde zu einem Lifestyle-Angebot, weil die Schuhe etwas Einzigartiges bieten. Laufen ist eine Produktkategorie innerhalb des Lifestyles. Genauso wie Trail (und Outdoor) jetzt eine Kategorie des Lifestyle-Segments ist. Die funktionalen Vorteile liegen auf der Hand: Stabilität, Komfort, Geschwindigkeit und Grip. Dieser ganze Trend von Gorpcore entstand aus der Identifikation der Konsumenten mit der technischen Funktionalität, die üblicherweise Outdoor-Marken zugeschrieben wird. Wir von Salomon verstehen uns als sportliche Outdoor-Marke, was auf dem Markt ein Alleinstellungsmerkmal ist.
Gorpcore ist gewissermaßen zu einer Art Klischee im Lifestyle-Bereich geworden, zu einem Trend. Aber die Produkte, die Salomon bietet, versprechen tatsächlich eine lange Lebensdauer und sind damit einzigartig. Wir haben eine eigenständige Kategorie geschaffen. Salomon verdankt seinen Erfolg im Lifestyle-Segment nicht ausschließlich diesem Trend, sondern dem Umstand, dass die Marke von denen angenommen wurde, die sie tragen. Sie haben Salomon angenommen und für ihre funktionalen Bedürfnisse auf breiter Ebene anerkannt. Dann haben wir einen Pool von Designern, Entwicklern und Materialexperten – Teams, die in der Lage sind, Produkte an die Wünsche von Trendsettern anzupassen. Wir können einen XT-6 nehmen und die Funktion unverändert lassen, das Obermaterial jedoch für einen bestimmten Look so modifizieren, wie wir es bei neuen Iterationen getan haben, dem Expanse Schuh etwa, mit normalen Schnürsenkeln und der (noch kommenden) Lederversion. Und doch ist es immer noch der gleiche XT-6-Korpus, der stets bequem ist, aber nun an einen modernen Lifestyle angepasst wurde.
Wenn du von den technischen und funktionalen Vorteilen einmal absiehst, was glaubst du, macht den Reiz von Salomon Footwear für Lifestyle-Konsumenten und gar „Sneakerheads“ aus?
Der Look der Salomon Footwear hat einen hohen Wiedererkennungswert. Die Schuhe sind schnittig und die Muster sind wie gemacht für Farben. Bei den Sportstyle-Mustern arbeiten wir mit den Abteilungen Entwicklung, Design, Produktlinienmanagement, Werbung und Marketing zusammen, sodass wir einen Mix aus Menschen haben, die die Bedürfnisse der Endverbraucher kennen. Wir erstellen auch Trendprognosen und haben technisch begabte Leute in unseren Teams, die diese Erkenntnisse auf ein sehr umfangreiches Salomon Footwear-Archiv übertragen und anwenden können.
Und wie äußert sich das dann konkret in den einzelnen Sportkategorien des Salomon Sportstyle-Sortiments?
Wir haben ein Franchise-Management, das sich an der Sportpraxis orientiert. Wir haben Silhouetten für den Laufsport eingeführt, gefolgt von einem Outdoor-Franchise. Selbst innerhalb der Outdoor-Kategorie unterteilen wir sie in verschiedene Nutzerbedürfnisse: Alps sind eher technische Produkte, Athletic umfasst Modelle wie den XA PRO und Progressive schließlich die Odyssey-Silhouetten, bei denen wir mit der kreativen Richtung spielen. Dann haben wir natürlich noch die Vorher/Nachher-Produkte, wo wir uns von Dingen wie der Salomons Reelax-Linie inspirieren lassen. Wir erkunden auch Kategorien wie wassertaugliche Schuhe und Sandalen. Wir haben eine Frühlings-/Sommer- und eine Herbst-/Winterkollektion, aber realistisch betrachtet handelt es sich um ein Ganzjahresangebot. Wenn du das alles zusammen nimmst, siehst du, dass wir auf die Wünsche einer breiten Kundschaft eingehen – von der anspruchsvollen, modebewussten Kundschaft bis hin zu den „Sneakerheads“. Wir führen sogar Modelle mit der gleichen Massenattraktivität ein wie der Nike Air Max, wie beispielsweise den Salomon ACS+. Also, ja, Salomon ist sicher mehr als nur „Gorpcore“ für die Techwear-Fans.
“[Gorpcore]Die Bezeichnung ist zu einem Wegwerfbegriff geworden, der vielleicht zu allumfassend ist. Für Menschen, die technische Outdoor-Produkte lieben, wird er seiner eigentlichen Bedeutung nicht gerecht, da in Gorpcore eine überaus reiche Produktgeschichte steckt. ”

Alexander Van Oostrum
Marketing Manager Salomon Sportstyle
Du erwähntest den Begriff „Gorpcore“. Er scheint gleichzeitig positiv und negativ konnotiert zu sein, je nachdem, mit wem man spricht. Manche Leute reagieren positiv, andere tun ihn als Klischee ab. Nervt dich das Wort „Gorpcore“?
Ja und nein. Nein, weil so wie viele Sportarten die Grundlage für den Begriff „Lifestyle“ bilden – wie zum Beispiel Basketball, mit der Marke Jordan oder Tennis mit dem Modell Stan Smith. Auf die gleiche Weise wird sich das auch im Outdoor-Segment entwickeln, das jetzt mit Sicherheit eine eigene Kategorie für den Lifestyle-Konsumenten darstellt. Das ist alles aus „Gorpcore“ hervorgegangen und hat den Markt bis zu einem gewissen Grad mitbestimmt. Deshalb hasse ich den Begriff nicht, aber ich denke, dass er für viele Leute zu einem Wegwerfbegriff geworden ist, der vielleicht zu allumfassend ist. Für Menschen, die technische Outdoor-Produkte lieben, wird er seiner eigentlichen Bedeutung nicht gerecht, nachdem in Gorpcore eine überaus reiche Produktgeschichte steckt. Salomon stellt Produkte mit fantastischen Looks her, die für Outdoor-Umgebungen konzipiert sind, gleichzeitig aber auch durch den Alltag begleiten können. Der Begriff Gorpcore ist also etwas unglücklich, da Produkte von Outdoor-Sportmarken immer die richtigen Leute erreichen werden – Menschen mit einem bestimmten Lebensgefühl, die sich mit dem Leben draußen in der Natur identifizieren wollen. Sie werden den Begriff annehmen, weil er ihre Identität und das, was sie tun, umschreibt.
“Wenn du dir die Sneaker-Kultur ansiehst, dann gibt es die Vorstellung, dass man tonnenweise Schuhe kauft und ansammelt. Aber der Go-to-Schuh, den diese Sneakerheads dann tatsächlich tragen, ist der Salomon, aufgrund seiner Funktionalität, seines Tragekomfort und seines Designs. ”

Alexander Van Oostrum
Marketing Manager Salomon Sportstyle
Das klingt, als hättest du eine sehr klare Vorstellung davon, wer deine Sportstyle-Kunden sind, Menschen mit einem anderen Profil als das jener Leute, die andere Lifestyle-Sneaker auf dem Markt kaufen. Ist das so?
Jemand, der einen Stan Smith trägt, ist nicht unbedingt derselbe Typus wie jemand, der Salomon trägt. Ein Salomon Typus kauft unsere Schuhe eher aufgrund ihres Designs, ihrer Farbe und der subkulturellen Anziehungskraft als aus „Convenience“. Aber wir wollen, dass sie ihn einmal ausprobieren und dann umsteigen, weil sie den Komfort und die Funktionalität schätzen gelernt haben. Ich war in einem Meeting, als jemand sagte: „Ich hasse es, Leute mit dem XT-6-Schuh wandern zu sehen.“ Und ich dachte: Nein, er ist perfekt. Sie tragen ihn in Paris und gehen dann wandern. Eine erste Erfahrung mit dem Schuh, um sich seiner Funktionalität bewusst zu werden. Diese bildet den Einstieg in die Marke und vielleicht sogar in den Outdoor-Bereich. In 2–5 Jahren, wenn sie sich für den Sport begeistert haben und anfangen, wirklich zu wandern und draußen zu sein, sind sie bereits von Salomon überzeugt. Ich würde lieber jemanden mit einem XT-6 wandern sehen als mit einem Stan Smith! Der zweite Punkt ist, dass Salomon an vielen Orten beliebt ist, an denen es kalt ist und schlechtes Wetter herrscht. Wir bieten CSWP, GORE-TEX® und wasserabweisende Eigenschaften und damit gleichsam eine trockene, warme Alternative zum Tragen von Sneakern anderer Marken.
“Dennoch scheint der Begriff „Gorpcore“ eher männlich geprägt zu sein. Menschen assoziieren Gorp mit einem Kunden von Herrenbekleidung, wenn du dir jedoch den XT-6 anschaust, sind unsere Frauenschuhe schneller ausverkauft als die der Männer. ”

Alexander Van Oostrum
Marketing Manager Salomon Sportstyle
Wenn ihn ein paar Leute tragen und darüber reden, kaufen ihn innerhalb der Community mehr Menschen. Bei der Akzeptanz gibt es den sogenannten Schneeballeffekt. Allgemein ist ist es so, dass es in der Regel ein einhellig positives Feedback gibt, wenn Menschen Salomon kaufen. Was Salomon von anderen unterscheidet, ist der Umstand, dass „Sneakerheads“ und die Sneaker-Kultur die Vorstellung haben, tonnenweise Schuhe zu kaufen und zu horten. Aber der Schuh, den diese Sneakerheads schlussendlich tragen, ist der Salomon. Das liegt an seiner Funktionalität, seinem Tragekomfort und seinem Design. Ein weiterer Grund, warum ich den Begriff „Gorpcore“ nicht unbedingt mag, ist seine männliche Prägung. Die Leute assoziieren Gorp mit einem männlichen Käufer von Herrenmode. Wenn du dir den XT-6 ansiehst, ist der Schuh bei den Damen schneller ausverkauft als bei den Herren. Gorpcore wird mit dieser männlich geprägten Kultur in Verbindung gebracht. Salomon hingegen ermutigt jeden zu einem Outdoor geprägten Leben, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft.
Salomon befindet sich aktuell an einem Punkt, an dem die Marke ständig von potenziellen Partnern angesprochen wird. Das ist natürlich eine schöne Entwicklung, aber wie entscheidest du, mit wem du zusammenarbeiten möchtest?
Wir haben ein großartiges Portfolio an Kollaborationen. Der Ausgangspunkt ist die Erforschung der Salomon Designsprache. Der Designer von MM6 Maison Margiela etwa ist selbst Trailrunner und liebte unser Cross Sortiment, also war er auf die Marke und ihren funktionalen Nutzen eingestimmt.