Salomon Botschafter*in : Danielle Lister
Dani stammt aus dem Yukon-Territorium im äußersten Nordwesten Kanadas, wo sie geboren und aufgewachsen ist und auch heute noch lebt. Ihre Mission sieht sie darin, den hohen Norden abseits ausgetretener Pfade zu erkunden – sei es auf Tourenski, per Kanu oder auf Bergwanderungen. Wintercamping bei -30 Grad machen ihr genauso wenig aus wie tagelange Ausflüge zu beeindruckenden Gletschern. Dani Lister liebt das rohe und wilde Leben im Yukon. Auf ihren Abenteuern fängt sie die entlegensten Orte mit der Kamera ein, um ihre einmaligen Erfahrungen und Erlebnisse mit einer einzigartigen Bildsprache zu dokumentieren.
“Der Menschenschlag im Yukon ist schon besonders : robust, stark, kreativ, leidenschaftlich und vor allem fürsorglich. Ich treffe hier viele unterschiedliche Charaktere mit einzigartigen Geschichten, die Außergewöhnliches erlebt haben. ”

Danielle Lister
SALOMON: Kannst du dich zu Beginn kurz vorstellen?
Danielle Lister: Hallo! Ich heiße Dani. Geboren und aufgewachsen bin ich im Yukon, und ich arbeite als Outdoor- und Adventure-Creator. Ich liebe Sport, vor allem draußen in der Natur - ob auf Ski im Backcountry oder mit dem Kajak auf Flüssen. Ich berichte gem Über meine Abenteuer und unseren Way of Life hier oben im kanadischen Norden.
S: Wie war es für dich, im Yukon aufzuwachsen?
DL: In meiner Kindheit kannte ich ja nur das Leben im Norden und hielt es für völlig normal. Rückblickend weiß ich allerdings, dass es alles andere als normal war. Im Winter gibt es nur sehr wenig Sonnenlicht und ansonsten viel Dunkelheit, im Sommer geht die Sonne kaum unter. So ist das hier eben. Im Yukon haben die Autos Stecker, aber nicht etwa, weil es E-Autos sind. Vielmehr sind in den Fahrzeugen kleine Heizungen eingebaut, die sie warm halten, damit sie im Winter anspringen. In unserer kleinen Stadt gab es nicht viel, also war die freie Natur unser Spielplatz. Früher haben wir hinter unserem Haus aufwendig Hügel zum Schlittenfahren aufgeschüttet oder Schneeburgen gebaut. Man lernt, die Jahreszeiten und die damit verbundenen Herausforderungen zu schätzen, und
entwicKelt eine gewisse Macner-A1uwae. LJIe menscnen hier leben im Einklang mit der Natur, was meiner Meinung nach wunderbar ist. Zudem schätzen sie es, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
S: Du bist im Yukon geboren und aufgewachsen dann aber zum Studieren nach Toronto geggngen. Wie hat die Zeit in der größten Stadt Kanadas deine Sicht auf Outdoor-Abenteuer dass du letztlich zurück zu deinen Wurzeln in den Yukon geggngen bist?
DL: Das Leben in Toronto war eine sehr wichtige Erfahrung für mich. Toronto ist eine riesige Metropole. Allein die Uni, an die ich ging, hatte rund doppelt so viele Studierende wie im gesamten Yukon Menschen leben. Bis dahin hatte ich mein ganzes Leben im Yukon verbracht, daher wollte ich auch mal das Leben in einer Großstadt kennenlemen. Am Anfang war es aufregend und interessant, doch dann habe ich mich sehr schnell verloren gefühlt. Trotz der vielen Menschen auf dem Campus fühlte ich mich unglaublich einsam. Und mir haben die Berge unwahrscheinlich gefehlt. Da wurde mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann, aus dem Yukon zu stammen. Das ist etwas Besonderes. Dort bin ich Teil einer Gemeinschaft und habe die Natur direkt vor meiner Haustür. Letztlich hat mich die Pandemie dazu gezwungen, wieder nach Hause zurückzukehren. Seitdem wollte ich nicht mehr weg. Ich liebe es noch immer zu reisen. Aber ich weiß, dass der Yukon immer meine Heimat sein wird.
S: Welche landschaftlichen und kulturellen Aspekte des Yukon inspirieren dich am meisten und wie beeinflussen sie deine Abenteuer?
DL: Ich lasse mich von vielen Dingen inspirieren, wenn es um den Yukon geht. Besonders einzigartig an unserer Landschaft finde ich das Licht im Wechsel der Jahreszeiten. Im Sommer ziehen sich die Sonnenuntergänge über Stunden, im Winter blinzelt die Sonne kaum Über dem Horizont hervor. In Kombination mit unseren atemberaubenden Landschaften ergibt das immer interessante Bilder, die ich gerne einfange. Darüber hinaus ziehe ich viel Inspiration aus unserer Kultur und Gemeinschaft. Der Menschenschlag im Yukon ist schon besonders: robust, stark, kreativ, leidenschaftlich und vor allem fürsorglich. Ich treffe hier viele unterschiedliche Charaktere mit einzigartigen Geschichten, die Außergewöhnliches erlebt haben. Um so weit oben im Norden zu leben, muss man wahrscheinlich ein bisschen verrückt sein. Das wiederum zieht diese besondere Art von Menschen an. Das finde ich faszinierend. Wir haben auch eine sehr reiche indigene Kultur mit den 14 First Nations. Ich bin auf dem traditionellen Territorium der Kwanlin Dün First Nation und des Ta'an Kwdch'dn Council geboren und aufgewachsen. Sie alle haben ihre eigene Geschichte, Kultur und Kunst. Ihre Werte sind in unsere Denkweise und in unseren Respekt für das Land, die Tierwelt und die Menschen hier eingewoben. Ich empfinde es als Glück, in diesem Umfeld aufgewachsen zu sein.
“Es erfordert Widerstandsfähigkeit undHartnäckigkeit, um sich auf Abenteuer einzulassen.Aber wenn ich weiß, dass mein Geist und meinKörper zu diesen Dingen fähig sind, fühle ich mich auch in anderen Bereichen des Lebens sicherer und leistungsfähiger”

Danielle Lister
S: Deine Fotos von den atemberaubenden Landschaften des Yukon und deinen Aktivitäten sind immer wieder beeindruckend. Wie bist du zur Fotogrgfiegekommen und was hat dich dazu bewogen, dich ernsthafter und professionell damit zu beschäftigen?
DL: Mein Vater hat sich für Fotografie interessiert. Dadurch bin ich gewissermaßen vor und hinter der Kamera aufgewachsen. Er war ein großartiger Lehrmeister und ich durfte seine Ausrüstung mitnutzen. Ich bin dann im Haus oder Hof herumgewuselt und wollte lernen, wie man gute Fotos mit den richtigen Einstellungen macht. Schließlich habe ich mir eine eigene Kameraausrüstung zugelegt. So hatte ich immer die Möglichkeit, selbst kreativ zu sein und Dinge festzuhalten, die mir am Herzen liegen. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die sozialen Medien noch nicht so verbreitet waren. Damals fristete die Fotografie noch ein Schattendasein und wurde oft nicht als Karrieremöglichkeit oder „richtiger Job" angesehen. Daher war es für mich immer ein leidenschaftliches Hobby. Doch aus irgendwelchen Gründen haben sich bei mir immer Jobs oder Gelegenheiten aufgetan, die mit Fotografie zu tun hatten. Ich arbeite freiberuflich, seit ich etwa 17 Jahre alt bin. Schließlich ergab sich die Gelegenheit, sich für das Programm „Canon Futures" von Canon Canada zu bewerben. Erst in der Nacht vor Bewerbungsschluss stellte ich schnell ein Portfolio zusammen, da ich mir sowieso nicht viele Chancen ausmalte. Doch am Ende wurde ich angenommen. Das war ein Schlüsselereignis für mich. Endlich lernte ich Leute kennen, die in der Branche arbeiteten, und stellte fest, dass Fotografie ein echter Beruf ist. Ich habe mir gesagt, dass ich es ewig bereuen werde, wenn ich es nicht versuchen würde. Also habe ich die Chance beim Schopfe gepackt und es seitdem nicht bereut. Ich bin überzeugt, dass ich meine Berufung gefunden habe. Daher bin ich unwahrscheinlich dankbar für all die Hilfe und das Mentoring, das mir auf diesem Weg zuteil wurde.
S: Spielen für dich die möglichen Aufnahmen und Motive eine Rolle wenn du dir Gedanken über dein nächstes Abenteuer bzw. Reiseziel machst? Wenn jg wie sehr beeinflusst dich die Suche nach dem Perfect Shot"? Wenn nicht, wie bereitest du dich dann auf einen Trip vor?
DL: Ich bin eigentlich kein Fan vom „Perfect Shot", denn in der Outdoor- und Abenteuerfotografie geht es oft ganz schön zweckorientiert und berechnend zu. Das ist meiner Meinung nach nicht die beste Art, wie wir uns der Natur nähern sollten. Mir ist wichtig, eine Erfahrung zu machen, die mich inspiriert. Dann versuche ich, Momente und Gefühle einzufangen, die die Geschichte erzählen können. Man muss Raum lassen, um Dinge tatsächlich erleben zu können. Natürlich will man auch immer etwas festhalten. Aber für mich geschieht das auf eine authentische Art und Weise, die genügend Raum lässt, um Details zu bemerken, die man vielleicht übersehen hätte, wenn man zu sehr auf ein bestimmtes Bild fixiert wäre.
“Mir ist wichtig, eine Erfahrung zu machen, die mich inspiriert. Dann versuche ich, Momente und Gefühle einzufangen, die die Geschichte erzählen können”

Danielle Lister
S: Wie tragen Outdoor-Abenteuer - abgesehen von den körperlichen Herausforderungen - deiner Meinung nach zu persönlichem Wachstum und Wohlbefinden bei?
DL: Ich glaube, dass ich dadurch mental stärker geworden bin. Es erfordert Widerstandsfähigkeit und Hartnäckigkeit, um sich auf Abenteuer einzulassen, vor allem in der Umgebung, in der man sich bewegt. Aber wenn ich weiß, dass mein Geist und mein Körper an diesen Dingen feilen, fühle ich mich in anderen Bereichen des Lebens sicherer und selbstsicherer. Ich habe auch das Gefühl, dass es eine große Rolle zum "normalen" Leben leistet, da es dir einen Raum zum Nachdenken und Reflektieren gibt. Wenn du dann einmal an einem Berggipfel stehst, kann der Alltagstress im Vergleich dazu wirklich klein wirken.
S: Woher nimmst du die Inspiration und Motivation, immer wieder neue Abenteuer und Erfahrungen zu suchen, die du dann mit deinem Publikum teilen kannst?
DL: Jede Art, wie ich irgendwo unterwegs bin, fallen mir andere Berge, Flüsse oder Gewässer ein, die man einmal besuchen könnte. Yukon ist riesig. Mein Ziel ist es, dass ich eines Tages auf eine Karte schauen kann und die Natur, die ich erlebt habe, darauf sehe. Ich möchte, dass es wie ein Puzzle ist, das sich zusammenfügt, und ich möchte, dass es nicht nur eine Karte sondern auch ein Gefühl ist. Es wird nie langweilig sein, denn die Natur ist wie ein lebendiger, lebendiger Ort, der sich ständig verändert. Und man weiß nie, was einen erwartet, kann aber immer eine neue Erfahrung anknüpfen.
S: Noch zwei kurze Fragen zum Abschluss, für diejenigen, die eine Reise in den Yukon planen: Welchen Ort sollte man unbedingt gesehen haben? Und was darf im Reisegepäck auf keinen Fall fehlen?
DL: Man sollte unbedingt den Kluane-Nationalpark besuchen. Die Landschaft dort wirkt noch viel größer als die gesamte Erde im Yukon. Es gibt Berge, Gletscher, Flüsse, und man kann die gesamte Geschichte. Ich habe das Gefühl, dass es dort an der Oberfläche des Lebens liegt, wo man wirklich die Natur spüren kann. Es ist im Yukon Sommer für unzählige als eine tolle Erfahrung, die beispielsweise eine Bärenspray aus dem Haus.
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