Wie viele Kilometer hält ein Laufschuh?
Du hast einen Laufschuh gefunden, der perfekt zu dir passt? Dein Herz schlägt schneller, wenn du ihn anziehst und losläufst? Ja, die Beziehung zu einem Laufschuh kann das Zeug zur Romanze haben. Doch wenn es mit Knien, Rücken oder Laufzeiten bergab geht, findet auch die schönste Liebesgeschichte ein jähes Ende.
Doch woher weißt du, wann dein Laufschuh die besten Tage hinter sich hat? Eine einfache Möglichkeit ist, die absolvierten Distanzen zu protokollieren. Darüber hinaus haben weitere Faktoren großen Einfluss auf die Lebensdauer.
Für diesen Artikel haben wir zwei absolute Fachleute in Sachen Haltbarkeit befragt: Die Salomon Laufschuh-Koryphäen Mailys Drevon und Arnaud Deletraz. Mit ihnen beleuchten wir unter anderem, wie sich Kilometerzahl, Untergrundbeschaffenheit, Komposition oder auch die Biomechanik auf die Haltbarkeit deines Laufschuhs auswirken.
Wie viele Kilometer hält ein Laufschuh?
Bei gleichbleibenden Bedingungen liegt die typische Lebensdauer eines Laufschuhs bei etwa 500 bis 800 Kilometern. So viel zur Theorie. In der Praxis nehmen Läufer\*innen unterschiedlicher Größe, unterschiedlichen Gewichts und mit unterschiedlicher Lauftechnik verschiedenes Terrain bei allen denkbaren Witterungsbedingungen in Angriff. All diese Dinge haben Einfluss darauf, wie lange du Freude an deinem Laufschuh haben wirst.
Anzeichen für einen Schuhwechsel
Neben den zurückgelegten Kilometern deutet ein sichtbarer Verschleiß des Obermaterials auf das nahende Ende der Lebensdauer deines Laufschuhs hin. Bist du hingegen meist auf gepflegten Straßen, einer Laufbahn oder im Fitnessstudio auf einem Laufband unterwegs, sehen deine Laufschuhe häufig auch nach unzähligen Kilometern optisch noch gut aus – doch das kann ein Trugschluss sein. Tatsache ist: Viele Modelle werden heute mit technischen Innovationen ausgestattet, mit denen das Obermaterial länger besser aussieht.
Läufer\*innen, die auf wenig anspruchsvollem Untergrund unterwegs sind, müssen daher besonders auf das Laufgefühl ihres Schuhs und etwaige Veränderungen bei der Performance achten. Denn diese Änderungen verlaufen meist schleichend, sodass du sie manchmal erst bemerkst, wenn es schon zu spät ist. Das gilt umso mehr, wenn dir dein Laufschuh besonders ans Herz gewachsen ist (Soll es ja geben, du weißt schon ...).
Auch ein genauer Blick auf die Zwischensohle verrät dir, ob dein Schuh schon auf die Zielgerade seiner Lebenserwartung eingebogen ist. Kleine Risse oder Falten im Schaumstoff sind ein deutliches Anzeichen, dass sich das Material verändert. In diesem Fall solltest du dir die Frage stellen, ob dein Schuh noch so performt wie er soll.
Deutliche Abnutzungserscheinungen an der Außensohle sprechen ebenfalls dafür, deinen Laufschuh bald auszutauschen. Wenn das Stollenprofil sichtbar nachlässt, spürst du den verminderten Grip – und solltest dich langsam aber sicher nach einem neuen Schuh umsehen. Zwar kannst du mit der geringeren Bodenhaftung sicher noch eine Weile leben, aber denk daran, dass damit auch das Verletzungsrisiko steigt – nicht nur wegen des geringeren Halts, sondern vor allem wegen des veränderten Lauf- und Abrollverhaltens, mit der du die schwächere Traktion kompensierst.
Laufbekleidung für Damen | Laufbekleidung für Herren
Gelaufene Kilometer effektiv aufzeichnen
Das richtige Tracking deiner zurückgelegten Kilometer kann dir entscheidend dabei helfen, den optimalen Zeitpunkt für ein neues Paar Laufschuhe zu finden und das Verletzungsrisiko durch abgenutzte Schuhe zu minimieren. Im Internet findest du viele spezielle Lauf-Apps und Fitness-Tracker. Darin kannst du die Einzelheiten zu deinem Schuh hinterlegen und jeden Lauf mit zugehöriger Kilometerzahl erfassen. Einige Schuhmodelle haben sogar einen kleinen Chip integriert, über den du mithilfe einer App die gelaufenen Kilometer auslesen kannst.
Wenn du weniger Schnickschnack bevorzugst, kannst du deine zurückgelegten Distanzen auch in einer einfachen Tabelle auf deinem PC oder Smartphone eintragen – oder ganz oldschool in einem Notizheft.
Ganz egal, für welche Option du dich entscheidest: In die Gesamtrechnung sollten neben Schuhmodell und Kaufdatum auch andere Faktoren wie die Untergrundbeschaffenheit, die Witterungsverhältnisse oder dein Lauftempo einfließen, da auch sie Einfluss auf den Verschleiß haben.
Merkmale von langlebigen Laufschuhen
Bei der Entwicklung eines neuen Laufschuhs stehen die Designteams vor einer großen Herausforderung: Im Idealfall sollen sie ein Modell hervorbringen, das möglichst leicht, möglichst langlebig und möglichst erschwinglich ist. Zwei dieser Faktoren lassen sich in der Praxis meist gut umsetzen, alle drei hingegen sind nur schwer unter einen Hut zu bekommen. Wettkampfschuhe sind auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt, was häufig zulasten der Haltbarkeit geht. Für Langstrecken und Training konzipierte Modelle legen oft mehr Wert auf die Langlebigkeit, wodurch robustere Materialien verwendet werden und der Schuh insgesamt mehr Gewicht hat.
Bedenke außerdem, dass sich Laufschuhe für Asphalt grundlegend von jenen für Trails unterscheiden – und zwar nicht nur beim Stollenprofil der Außensohle. So sind Trailschuhe oft rundum mit Verstärkungen versehen, um deine Füße vor den Gefahren zu schützen, die auf felsigen, technischen Trails lauern.
Im Folgenden haben wir einige Merkmale zusammengestellt, die tendenziell für eine längere Lebensdauer sorgen:
- Robuste Außensohle aus -abriebfestem Gummi
- Verstärkte Zehenkappe zum Schutz vor Schrammen (vor allem bei Trailrunning-Schuhen)
- Zwischensohle aus EVA oder TPU für lang anhaltende Dämpfung
- Fersenbereich mit dem richtigen Grad an Unterstützung für den Fuß, um ein natürliches Abrollverhalten zu fördern und ungleichmäßigen Verschleiß zu verhindern
- Schützende Overlays zur Verstärkung stark beanspruchter- Bereiche (vor allem bei Trailrunning-Schuhen)
- Verschweißte Nähte
- Steinschutzplatte zum Schutz vor scharfen oder spitzen Kanten
- Robuste Gummimischung in- Bereichen mit hohen Aufprallkräften
Alltags-Laufschuhe für Damen | Alltags-Laufschuhe für Herren
Untergrundbeschaffenheit
Auch der Untergrund beeinflusst die Haltbarkeit deiner Laufschuhe – und zwar entscheidend. So sind Asphalt und Beton eher rau und beschleunigen dadurch den Verschleiß deiner Außensohle.
Sand und Gras sind meist weicher. Allerdings können sich Sandkörner ihren Weg in den Schuh bahnen und dort für Verschleiß sorgen. Schlamm und Wasser beanspruchen das Material ebenfalls, vor allem dann, wenn die Schuhe nach dem Lauf nicht ordentlich gereinigt und getrocknet werden.
Viele Trails mögen eher weich und sanft sein, doch technische Abschnitte in den Bergen mit unzähligen scharfen Kanten oder Schotter können deinem Schuh alles abverlangen – und manchmal kleine Risse oder andere Beschädigungen verursachen.
Der geringste Abrieb entsteht auf dem Laufband, was sich meist positiv auf die Lebensdauer deines Schuhs auswirkt. Doch auch bei dieser Form des Laufens wird die Zwischensohle bei jedem Schritt zusammengedrückt, sodass die Dämpfung mit der Zeit nachlässt.
Trailrunning-Schuhe für Damen | Trailrunning-Schuhe für Herren
Faktor Laufstil
Auch der Laufstil wirkt sich auf die Abnutzung deines Laufschuhs aus. Trittst du mit der Ferse auf, wird die Außensohle im Fersenbereich die größten Abnutzungserscheinungen aufweisen. Läufst du eher über den Vorfuß, erfolgt der meiste Abrieb im vorderen Bereich der Außensohle.
Überpronation (der Fuß rollt übermäßig nach innen ab) führt zu einem erhöhten Verschleiß an der Innenseite des Schuhs. Bei einer Supination (übermäßiges Abrollen nach außen) zeigen sich die größten Abnutzungserscheinungen an der Außenseite.
Wenn du deinen Fuß – ob über die Ferse, den Mittelfuß oder den Vorfuß – mit viel Druck auf dem Boden aufsetzt, wird die Dämpfung der Zwischensohle schneller zusammengedrückt. Zu asymmetrischen Verschleißmustern können auch ein ungleichmäßiger Laufschritt oder unterschiedliche Beinlängen führen.
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Ruhepausen für Laufschuhe
Du kannst die Lebensdauer deiner Schuhe verlängern, wenn du ihnen eine Pause gönnst. Das heißt nicht, dass du aufs Laufen verzichten musst! So kannst du einfach verschiedene Laufschuhe für deine unterschiedlichen Trainingsarten verwenden, zum Beispiel ein Modell für lange Distanzen und ein anderes für kürzere Tempoeinheiten. Dadurch verteilst du deine gelaufenen Kilometer auf verschiedene Schuhpaare. Außerdem kannst du so Verschleißmuster oder Unterschiede bei deinem Laufstil besser erkennen.
Du kannst dir auch mehrere Paare des gleichen Schuhmodells zulegen und diese abwechselnd tragen, damit sich die Dämpfung der Zwischensohle nach deinen Läufen wieder vollständig erholen oder dein Schuh vollständig trocknen kann.
Roadrunning-Schuhe, Laufbekleidung und Zubehör für Damen | Roadrunning-Schuhe, Laufbekleidung und Zubehör für Herren
Lebensdauer maximieren
Du selbst hast es in der Hand, die Lebensdauer deiner Laufschuhe zu verlängern. Beispielsweise solltest du nach jeder Session Staub und Schmutz vorsichtig mit einer weichen Bürste oder einem Tuch entfernen. Verzichte auf aggressive Chemikalien. Lass deine Schuhe nach dem Lauf außerdem gut auslüften, damit sich keine Feuchtigkeit ansammelt und die Materialien geschont werden.
Lockere die Schnürsenkel, damit deine Schuhe ihre Form behalten. Bewahre deine Schuhe außerdem an einem kühlen, trockenen Ort außerhalb direkter Sonneneinstrahlung und ohne extreme Temperaturen auf. Falls du damit liebäugelst, deine Schuhe eine Runde in der Waschmaschine oder im Trockner drehen zu lassen ... keine gute Idee! Das kann die Verleimungen und Materialien des Schuhs dauerhaft zerstören.
Weiterhin lohnt es sich, deine Schuhe regelmäßig auf Verschleiß zu prüfen, vor allem die Außen- und die Zwischensohle. So erhältst du ein besseres Bild über ihren Zustand.
Vorteile einer längeren Lebensdauer
Jeder entsorgte Laufschuh hat negative Auswirkungen auf die Umwelt. Leider! Allerdings sollte dich das nicht gleich zum Barfußlaufen verleiten. Schuhmarken wie Salomon arbeiten intensiv an umweltfreundlicheren Alternativen, indem sie bei der Schuhherstellung auf recycelte Materialien setzen und auf Komponenten achten, die ihrerseits recycelt werden können.
Und nur weil deine Schuhe nicht mehr für intensive Laufeinheiten geeignet sind, heißt das nicht, dass jemand anderes ein cooles Paar Laufschuhe nicht zu schätzen weiß, um damit zum Laden an der Ecke zu gehen. Tragbare Schuhe zu spenden ist eine hervorragende Möglichkeit, um sie ein bisschen länger leben zu lassen, was letztlich das Müllaufkommen reduziert. Wenn du nicht weißt, wie du deine Schuhe am besten recyceln kannst, erfährst du hier mehr.
Letztlich ist ein guter Laufschuh jeden Cent wert. Wenn du darauf achtest, dass er sein Lauf-Leben voll auskostet, ist das nicht nur gut für deinen Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt. Wichtig ist aber auch, dass du erkennst, wann die Zeit für deinen treuen Laufbegleiter gekommen ist. Denn nur so kannst du deine Performance weit oben halten und das Verletzungsrisiko minimieren.
Weitere Leitfäden, Tipps und Infos für dein nächstes Laufabenteuer findest du in unseren Stories & Guides.