Eine bessere Performance und persönliche Bestleistung durch Laufschuhe mit Carbonfaserplatten?
„Wie sich die Biegesteifigkeit von Schuhen auf die Laufökonomie auswirkt, hängt vom Läufer ab“ Chollet et al. (2022)
Carbonfaserplatten im Laufschuh – ein Trend
Im unermüdlichen Streben nach mehr Leistung haben Laufschuhe für Langstreckenläufer in den letzten Jahren ganz schön viele Veränderungen erlebt: von neuen Mittelsohle-Geometrien und gewölbten Außensohlen über leichteren, strapazierfähigeren Schaum bis hin zur wahrscheinlich bekanntesten Erneuerung, den Carbonfaserplatten. Wenn du auf der Suche nach einem Schuh bist, der dir durch seine Carbonfaserplatte neue Bestleistungen verspricht, wirst du den Wald vor lauter Bäumen vielleicht nicht mehr sehen können – heutzutage werden von Schuhmarken nämlich unzählige Optionen angeboten.
Warum werden Carbonfaserplatten in Schuhen so gelobt? Weil Läufer mit ihnen ihre Leistung steigern und manchmal sogar Rekorde einstellen können. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass eine veränderte Biegesteifigkeit die Laufökonomie direkt beeinflusst (oder kurz RE für „Running Economy“) und somit auch die Laufleistung. Doch gilt das für alle Läufer? Bei allen Geschwindigkeiten, in allen Rennen und unter unterschiedlichen Bedingungen?
Da sich Laufschuhe mit Carbonfaserplatten bei Rennen weltweit immer mehr etablieren, wollten wir von Salomon ein wenig nachforschen, um den Zusammenhang zwischen der RE und Biegesteifigkeit von Schuhen besser zu verstehen. Dabei möchten wir ein tatsachenbasiertes Verständnis darüber erlangen, welche Rolle letztere bei der Laufleistung spielt – bei allen Läufern, nicht nur bei leistungsstarken Spitzen-Marathonläufern.
1 Studie, 96 Läufer
Um den Einfluss der Biegefestigkeit auf die RE zu testen, haben wir eine Studie durchgeführt und dabei herausgefunden, dass Carbonfaserplatten in Schuhen nicht automatisch bei jedem Läufer zu einer besseren Leistung führen.
Während sich die Performance von Spitzenläufern durch eine höhere Biegesteifigkeit deutlich verbessert hat, sahen manche Läufer mit der Carbonfaserplatte nur wenig bis gar keine Veränderung. Bei anderen hat die RE sogar enorm gelitten.
Mit einer heterogenen Gruppe an 96 Testläufern, zwei Schuhprototypen mit unterschiedlicher Längsbiegesteifigkeit, ein paar Laufbändern und Analysegeräten für den Gasaustausch haben wir gemessen, wie sich die unterschiedlichen Steifigkeitsniveaus auf die gesamte Laufleistung und die RE auswirken. Bei der Laufökonomie handelt es sich, einfach ausgedrückt, um das Verhältnis der Sauerstoffaufnahme eines Läufers zu dessen Geschwindigkeit. Sie zeigt, wie effizient ein Läufer seine Sauerstoffaufnahme in eine Vorwärtsbewegung überträgt – je weniger Energie und Sauerstoff für eine bestimmte Geschwindigkeit verbraucht wird, desto besser. Je höher die RE, desto weniger effizient ist der Läufer und desto weniger effizient ist der Schuh.
Um herauszufinden, ob wir die Ergebnisse auch nach anderen Kriterien gruppieren könnten, haben wir alles analysiert, und diese funktionalen Cluster dann anhand morphologischer, physiologischer und biomechanischer Daten beschrieben. Der Test wurde mit zwei Schuhprotypen durchgeführt: dem „Flex“ und dem „Stiff“. Das Obermaterial, der Mittelsohlenschaum (EVA) und die Mittelsohlengeometrie (Fersenhöhe: 34,7 mm, Sprengung: 9 mm) waren bei beiden Prototypen identisch. In der Mittelsohle der Schuhe war jeweils eine Platte integriert, die hinsichtlich der Form zwar gleich war, aber aus unterschiedlichen Materialien bestand und somit eine andere Biegesteifigkeit aufwies: der „Flex“ hatte eine Polyamid-Platte (wie der Salomon Phantasm) und der „Stiff“ eine steifere Kompositfaserplatte (wie der Salomon Phantasm CF). Die Schuhmasse war bei beiden Prototypen ähnlich und mit jedem Schuh durften maximal 50 km zurückgelegt werden, damit die Abnutzung das Ergebnis nicht beeinflusste. Bei den Testläufern waren 40 % weiblich, 25 % der Läufer hatten eine persönliche Bestleistung von unter 35 Minuten bei einem offiziellen 10-Kilometer-Rennen, 25 % eine 10-Kilometer-Bestleistung zwischen 35 und 45 Minuten, 25 % eine 10-Kilometer-Bestleistung von 45 und 55 Minuten und 25 % eine 10-Kilometer-Bestleistung von mehr als 55 Minuten.
Alle Läufer erhielten ein tragbares Analysegerät für den Gasaustausch und starteten auf dem Laufband, wo ihre maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und ihre maximale aerobe Geschwindigkeit (MAS) festgestellt wurden. Anschließend liefen sie mit beiden Prototypen fünf Minuten lang auf dem Laufband bei 75 % VO2 (Marathongeschwindigkeit). Bei beiden Testläufen wurden die RE und Ganganalyse aufgezeichnet.
Nur 30 % der Läufer verbesserten ihre Laufökonomie
Die Haupterkenntnis dieser Tests: Ca. 30 % der Läufer verbesserten ihre Laufökonomie mit der gesteigerten Biegefestigkeit, während 27 % ihre Laufökonomie verschlechterten – die Ergebnisse lagen zwischen 3 % Verbesserung und 3 % Verschlechterung. Bei 43 % der Läufer blieb die Laufökonomie mit einer gesteigerten Biegefestigkeit unverändert.
Ein Blick auf die Unterschiede dieser drei Gruppierungen und die Daten deutet darauf hin, dass Läufer mit einer verbesserten Laufeffizienz durch den steiferen Prototyp auch eine höhere maximale aerobe Geschwindigkeit verzeichneten im Vergleich zu denen mit einer unveränderten oder schlechteren RE. Je schneller der Läufer, desto mehr hat sich seine Leistung mit einem steiferen Laufschuh gesteigert. Auf der anderen Seite zeigten die gesammelten Daten, dass langsamere Läufer und Freizeitläufer bei einer höheren Biegesteifigkeit unbedeutende oder gar keine Veränderungen in ihrer RE aufzeigten.
Natürlich ist die Geschwindigkeit eines Läufers nicht die einzige Variable, die man dabei in Betracht ziehen kann. Die Studie gelangt aber zu zwei wichtigen Ergebnissen: Erstens reagieren Läufer unterschiedlich auf eine höhere Biegesteifigkeit der Platten und zweitens profitieren schnellere Spitzenläufer von steiferen Platten im Vergleich zu langsameren Läufern oder Freizeitläufern.
Schuhe mit Carbonfaserplatten führen nicht automatisch ans Ziel
Wenn wir bedenken, dass nur ein Bruchteil aller Läufer einen Marathon unter drei Stunden absolviert, kommt nur eine kleine Elite-Gruppe von Läufern in den Genuss der Vorteile, die Laufschuhe mit steifen Carbonfaserplatten mit sich bringen können. Unser Fazit: Platten, die die Biegesteifigkeit erhöhen, eignen sich am besten für schnelle Läufer. Im Grunde genommen sind sie für die besten Läufer der Welt entwickelt und für die Dauer und Art und Weise, wie sie mit den Schuhen laufen.
Platten funktionieren definitiv, aber nicht für jeden Läufer gleichermaßen. Außerdem bedeutet Laufleistung auch nicht für jeden das Gleiche: Sie bezieht sich auf eine bestimmte Situation, ist in jedem Kontext messbar und, in manchen Fällen, zu 100 % subjektiv.
Deshalb glaubt Salomon, dass ein Produkt mit einer bestimmten Platte nicht die Antwort auf das Streben nach mehr Leistung sein kann. Bei unserer aktuellen und künftigen Produktentwicklung möchten wir deshalb dieses Bedürfnis nach Wissen und Einbeziehung erfüllen sowie unser Versprechen, mit dir deine persönliche Bestleistung zu erreichen.