Salomon Brigade Index: der erste recycelbare Wintersporthelm

Nach vier Jahren Entwicklung präsentiert Salomon mit dem Brigade Index einen Ski- und Snowboardhelm, der am Ende seiner Lebenszeit vollständig recycelt werden kann. Damit beschreitet Salomon völlig neue Wege bei der Helmkonstruktion – 96 % der verwendeten Materialien stammen aus derselben Kunststofffamilie.
Für die Konzeption des Brigade Index hat die für Forschung und Entwicklung zuständige Abteilung von Salomon eine technische Lösung entwickelt, mit der sie den Helm aus ein und derselben Materialfamilie herstellen kann, ohne dabei Kompromisse in puncto Sicherheit einzugehen. Durch das homogene Material kann der Brigade Index am Ende seiner Lebenszeit ganz einfach zerkleinert und wiederverwendet werden.
Die Umweltauswirkungen des Brigade Index fallen dabei 19 % geringer als bei herkömmlichen Brigade Helmen aus. Ein Grund dafür ist die Verwendung von Polyolefinen, darunter insbesondere Polypropylen, die bei der Herstellung weniger Energie benötigen als andere Thermoplaste. Ein weiterer Grund ist der Recyclingprozess am Ende der Lebenszeit des Helms.
“Herkömmliche Helme sind äußerst schwierig zu recyceln, weil sie meist aus vielen verschiedenen Materialien bestehen. Da es aktuell keine geeigneten Verfahren gibt, um diese Materialien am Ende ihres Lebenszyklus zu separieren, landen alte Helme häufig auf der Deponie oder werden verbrannt. Deshalb bestand für Salomon die Herausforderung darin, für alle Komponenten die gleiche Materialfamilie zu verwenden, um einen einfachen Recycling-Prozess zu ermöglichen. ”
Nans Girodengo
Forschungs- und Entwicklungsspezialist – Protective-Team
HERAUSFORDERUNGEN BEI DER ENTWICKLUNG EINES RECYCELBAREN SKIHELMS
Im Jahr 2019 begann das für Wintersport zuständige Team bei Salomon, nach Wegen zu suchen, wie es die Umweltauswirkungen seiner Produkte reduzieren kann. Im Bereich Helme wurde schnell deutlich, dass das für die Innenschale verwendete expandierte Polystyrol (EPS) signifikante Auswirkungen auf die Umwelt hat. Aus diesem Grund suchte das F&E-Team nach geeigneten Lösungen, um das EPS durch ein ökologisch unbedenklicheres Material zu ersetzen. Schon nach kurzer Zeit waren ein passendes Material und ein Lieferant dafür gefunden.
Bestärkt durch diesen wichtigen Meilenstein setzte sich das Team die nächsten Ziele. Inspiriert vom ersten Konzept des recycelbaren Laufschuhs INDEX.01, das das für Sportschuhe zuständige Entwicklungsteam im Annecy Design Center (ADC) in der Zentrale von Salomon erst kurz zuvor präsentiert hatte, beschäftigten sich die Wintersportteams damit, wie sie die Recyclingfähigkeit von Helmen am Ende des Produktlebenszyklus optimieren können – eine große Herausforderung, der sich das Team mit Bravour stellte.
„Herkömmliche Ski- und Snowboardhelme sind äußerst schwierig zu recyceln, weil Außenschale, Innenschale, Verschluss, Riemen und Polsterung meist aus vielen verschiedenen Materialien bestehen“, erklärt Nans Girodengo, Forschungs- & Entwicklungsspezialist vom Salomon Protective-Team. „Aktuell gibt es keine geeigneten Verfahren, um diese Materialien am Ende der Lebenszeit des Helms zu separieren. Dadurch landen alte Helme häufig auf der Deponie oder werden verbrannt. Also bestand unsere Herausforderung darin, für alle Komponenten das gleiche Material oder zumindest die gleiche Materialfamilie zu verwenden, um einen einfachen Recycling-Prozess zu ermöglichen. Gleichzeitig galt es natürlich, die strengen Sicherheitsvorgaben wie bei allen anderen Helmen aus unserem Haus zu erfüllen.“
“Die Außenschale wird am ehesten zerkratzt oder beschädigt. In unseren internen Teste haben wir allerdings herausgefunden, dass Polypropylen keinerlei Einschränkungen hinsichtlich Stabilität und Widerstandsfähigkeit mit sich bringt. Wir haben sogar einige Brigade Index Helme an Skischulen verteilt, wo die Ausrüstung besonders intensiv genutzt wird. Auch bei diesen Praxistests gab es keinerlei Beanstandungen. ”
Nans Girodengo
Forschungs- und Entwicklungsspezialist – Protective-Team
NEUANFANG MIT EINER MATERIALFAMILIE
Das Projekt zur Entwicklung des Brigade Index begann mit einem radikalen Schritt: Alle bisherigen Materialien, Teile und Prozesse, die Salomon im Laufe von 22 Jahren Helmentwicklung verwendet und immer wieder optimiert hatte, mussten über Bord geworfen werden. In Zusammenarbeit mit Paprec, einem führenden französischen Unternehmen aus den Bereichen Abfallmanagement, Recycling und Materialaufbereitung, hat Salomon nach einer Materialfamilie gesucht, die für den gesamten Helm geeignet ist.
Die Wahl fiel schließlich auf Polypropylen (PP), ein thermoplastischer Kunststoff, der erhitzt und in verschiedene Formen gebracht werden kann. Außerdem ist bei der Herstellung von PP weniger Energie als bei anderen Plastomeren erforderlich, wodurch sich der ökologische Fußabdruck des Helms weiter optimieren ließ. Anschließend begann das Team von Salomon, alle Teile des Helms aus PP-Materialien neu zu konstruieren. Die Aufgabe dabei: keine Kompromisse in puncto Tragekomfort und Sicherheit einzugehen.
„Bei der Entwicklung des Projekts standen die Vorzeichen wahrlich gut, weil die Nachfrage nach recycelten Materialien stark gestiegen war. Paprec erklärte uns, dass es vor allem in der Automobilindustrie einen großen Bedarf an recyceltem PP gab“, so Thibaut Montagnoni, Projektmanager im Bereich Forschung & Entwicklung im Salomon Protective-Team. „Unser Partner hatte bereits einen Recyclingkreislauf für PP aufgebaut, wodurch wir in einer Machbarkeitsstudie den Einsatz dieses Materials bei unserem Helmprojekt ausgiebig testen konnten.“
Im Rahmen des Entwicklungsprozesses testete das F&E-Team zehn verschiedene Helmkonstruktionen, darunter mit verschiedenen Arten und Formen von Polypropylen und unterschiedlichen Spritzgusstechniken. Das Team ging davon aus, dass Außen- und Innenschalen, die für die Schutz- und Dämpfungsfunktion des Helms am wichtigsten sind, die größte Herausforderung darstellen würden. Dank umfassender Versuche stellte sich jedoch heraus, dass Polypropylen enorm robust und kratzresitent ist und darüber hinaus in expandierter Form hervorragende Stoßdämpfungseigenschaften bietet.
„Die Außenschale wird am ehesten zerkratzt oder beschädigt. Interne Abriebtests haben allerdings ergeben, dass Polypropylen überaus widerstandsfähig, langlebig und robust ist, sobald die abschließende Beschichtung aufgetragen wurde“, erklärt Nans Girodengo weiter. „Wir haben einige Brigade Index an Skischulen verteilt, an denen die Ausrüstung besonders intensiv genutzt wird. Auch bei diesen Praxistest gab es keinerlei Beanstandungen im Hinblick auf die Qualität oder Haltbarkeit der Helme. Bei der Innenschale haben wir herausgefunden, dass EPP4D, die expandierte Version von Polypropylen, noch besser Mikrostöße absorbieren und seine ursprüngliche Form nach einem Aufprall wieder annehmen kann als expandiertes Polystysrol (EPS4D).“
Der Helm wurde unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten konstruiert, sodass alle überflüssigen Komponenten ausgespart wurden. Beispielsweise wurden die Nieten, mit denen der Riemen am Helm befestigt wird, durch Schlitze in der Außenschale ersetzt, um die herum der Riemen festgenäht wird. Weiterhin ersetzt bei der Brillenhalterung eine einfache Kunststoffkonstruktion die frühere Kombination aus genietetem Riemen mit Gummiband.
Am Ende besteht der Helm zu 96 % aus Polypropylen. Es wird in Form von Pellets im Spritzgussverfahren für die Außenschale verwendet. Für die Innenschale kommt expandiertes Polypropylen zum Einsatz. Und die Textilkomponenten bestehen aus gewebten Polypropylenfäden. Paprec hat bestätigt, dass der Helm „vollständig recycelbar“ ist, weil er den Schwellenwert von 95 % Material aus derselben Materialfamilie erreicht. Allerdings mussten einige Ausnahmen für spezielle Komfort- und Steifigkeitseigenschaften gemacht werden:
- Der Verschlussstecker und das Einstellrad an der Helmrückseite bestehen aus Polyoxymethylen (POM), um eine gleichbleibende Steifigkeit zu gewährleisten und Verformungen zu vermeiden.
- Die Ohrenpads und Teile der Innenschale bestehen aus Gründen des Tragekomforts aus EVA.
“Wir gehen von einer Lebensdauer des Helms von etwa fünf Jahren aus. Das bedeutet, dass wir in den ersten Jahren nicht viele Helme zurückbekommen werden. Aber wir müssen unsere Kundinnen und Kunden darüber aufklären, dass sie das Produkt an uns zurücksenden sollen, anstatt es einfach zu entsorgen. ”

Benjamin Raffort
Produktlinienmanager, Salomon Protective-Team
RECYCLING EINES BRIGADE INDEX HELMS
Um ihren alten Brigade Index zu recyceln, können Kund*innen den Helm am Ende seiner Lebenszeit an eine Sammelstelle zurücksenden. Dazu müssen sie lediglich den QR-Code am Produktanhänger scannen, das Versandetikett ausdrucken und den verpackten Helm versandkostenfrei in der nächsten Postfiliale abgeben. Die eingesendeten Helme werden dann an die Aufbereitungsanlage von Paprec in Verdun (Frankreich) weitergeleitet, wo sie zerkleinert werden und ein zweites Leben als Blumenkästen, Stoßstangen oder Einkaufskisten erhalten. Der Helm kann als Ganzes zurückgesendet werden, selbst wenn einige Komponenten nicht aus Polypropylen bestehen. Paprec kümmert sich um die professionelle Materialtrennung und gewährleistet das Recycling von reinem Polypropylen.
Jeder zurückgesendete Helm wird zum Recycling an Paprec weitergeleitet. Unser Partner kann die zerkleinerten Helme mit anderem recycelten Polypropylen vermengen, sodass wir nicht erst warten müssen, bis viele Helme zum Recycling zurückgegeben wurden.
„Wir gehen von einer Lebensdauer des Helms von etwa fünf Jahren bei einer Nutzung von zehn Tagen pro Jahr aus. Uns ist bewusst, dass in den ersten Jahren nur wenige Helme zum Recycling an uns zurückgesendet werden. Aber dieses Projekt ist langfristig angelegt“, sagt Benjamin Raffort, Produktlinienmanager beim Salomon Protective-Team. „Wir müssen unsere Kundinnen und Kunden darüber aufklären, dass sie das Produkt an uns zurücksenden sollen, anstatt es einfach zu entsorgen“, so Raffort weiter. „Das Verfahren wurde bereits beim Salomon Index Straßenlaufschuh eingeführt. Auch er kann am Ende seiner Lebenszeit zum Recycling zurückgesendet werden. Wir sind überzeugt, dass dieses Thema einen positiven Kreislauf in Gang setzen wird, sodass immer mehr Menschen bereit sind, ihre gebrauchten Produkte zum Recycling zurückzusenden.“
„Die für Wintersport verantwortliche Abteilung bei Salomon arbeitet seit Jahren intensiv daran, die ökologischen Auswirkungen ihrer Produkte zu reduzieren“, erläutert Xavier Le Guen, Vizepräsident Salomon Wintersport. „Das Projekt Müll ist Gold ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Kunststoffabfälle aus der Skiproduktion in Skikanten, Snowboardbindungen oder als Ausgangsmaterial bei der Ski- und Snowboardproduktion zum Einsatz kommen können. Im Jahr 2023 hat Salomon eine Lebenszyklusanalyse seiner wichtigsten Produkte veröffentlicht, darunter zu Langlaufski, Abfahrtsski, Snowboards, Bindungen, Helme und Brillen. Ziel war es, die Umweltauswirkungen jedes einzelnen Schrittes des Produktentstehungsprozesses zu ermitteln – von der Beschaffung der Materialien bis hin zur Entsorgung des Produkts nach Erreichen ihrer Lebenszeit. Die Lebenszyklusanalyse stellt wissenschaftlich fundierte Daten bereit, die direkt in die globale Klimastrategie von Salomon einfließen. Durch die transparente Veröffentlichung der Ergebnisse tragen wir außerdem zu einem Wandeln in der Branche bei.“
Im Jahr 2025 wird die komplette Brigade Reihe durch Brigade Index Helme ersetzt, darunter auch die MIPS-Version.