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Speedcross 3: von den Trails auf die Straßen

26. Feb. 2024
Lesezeit: 7 Min

INTERVIEW MIT SCHUH-DESIGNERIN MYRIAM CORDOBA GONZALEZ

Im Laufe der Jahre hat der einzigartige Style der Speedcross-Reihe an Popularität gewonnen – und zwar weit über die Design- und Trailrunning-Szene hinaus. Die klassische Form des Speedcross 3 stammt aus der Feder von Warren Bosomworth (2010) und wurde seitdem immer wieder durch neue Farben und Designelemente aufgefrischt.

Myriam Córdoba González, Designerin im Bereich CMF (Farben, Materialien und Verarbeitung) bei Salomon Sportstyle, erläutert uns in diesem Interview die Hintergründe zu den Farbvarianten des neuen Speedcross 3.

“Die Identität des Speedcross lässt sich für mich am besten mit der Floskel „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ beschreiben. Da gibt es keinen Platz für Zurückhaltung, es geht um alles oder nichts. Genau das verkörpert der Speedcross! ”

Myriam Cordoba Gonzalez

CMF-Designerin bei Salomon Sportstyle

SALOMON: Wodurch wurde die Designrichtung beim jüngsten Modell des Salomon Speedcross 3 in der Kategorie Sportstyle inspiriert?

Myriam Córdoba González\: In jeder Saison widmen wir uns speziellen Farbthemen. Dabei legte mir das Produktlinienmanagement für Sportstyle seinerzeit ein äußerst verpixeltes Foto dieser Farbgebung vor und sagte: „Das müssen wir machen.“ Von da an schlüpfte ich in die Rolle einer Archäologin, da ich die tatsächlichen Farben des Modells ausgraben und nachbilden musste. Die Zeichnungen hier zeigen das ursprüngliche CAD-Design vom Juni 2010\. Die andere Grafik zeigt das Ergebnis meiner Arbeit zwölf Jahre später im Oktober 2022.

Das erste Mockup entspricht der mutigen Farbwahl von Salomon aus den 2000ern, die wir nun in die Neuzeit übertragen wollten. Die Farbgebung fühlt sich für einen Speedcross sehr natürlich an, obwohl es seine Zeit gedauert hat, bis sie uns ans Herz gewachsen ist. Am Anfang kann man nichts so richtig damit anfangen, doch nach einiger Zeit spürt man den gewissen Pepp und kann sich dafür begeistern.

S: Welche wesentlichen Merkmale sind charakteristisch für den Speedcross 3 und inwieweit tragen sie zu seiner Performance und seinem Stil bei?

MCG\: Die Silhouette des Speedcross 3 ist legendär. Doch das markanteste Merkmal ist in meinen Augen die Außensohle mit ihrem imposanten Stollenprofil, das vom Motocross inspiriert ist. Es sorgt für maximale Trittfestigkeit auf nassem Untergrund. Darüber hinaus versprüht es einen aggressiven Grip und jede Menge Energie, die man bei vergleichbaren Schuhen nicht findet. Die Synthetik-Overlays optimieren den Fußhalt und der Schaumstoff im Fersenbereich sorgt für Dämpfung und den nötigen Komfort, die man bei Bergläufen oder im Alltag braucht. Das auffällige Colourblocking im Fersenbereich ist zudem ein echter Hingucker und verleiht dem Speedcross seinen einzigartigen Look.

S: Wie ist das Zusammenspiel von Farben und Materialien im Designprozess dieses Modells gelungen?

MCG\: Wenn man Farben hinzufügen will, ist das eine große Herausforderung, die aber viel Spaß macht. Die verschiedenen Komponenten des Speedcross 3 sind ziemlich groß, daher spielen die einzelnen Farben eine gewichtige Rolle. Da gibt es keinen Platz für Zurückhaltung, vielmehr ist es alles oder nichts! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Das beschreibt für mich die Identität des Speedcross am besten!

Jahr für Jahr kommt das für Farben, Materialien und Verarbeitung zuständige Team zu einem „Colour-Camp“ zusammen, bei dem wir uns gemeinsam Inspiration holen und saisonale Farbthemen unter einem übergeordneten Leitmotiv besprechen, das von der Farbpalette der jeweiligen Saison inspiriert ist. Bei diesen Treffen tauschen wir uns über Markttrends aus und analysieren diese. Dabei greifen wir auf die unterschiedlichsten Quellen zurück und schauen uns beispielsweise an, was unsere Kundinnen und Kunden machen und wie sie unsere Produkte verwenden und kombinieren. Dadurch entwickeln wir ein Gespür dafür, wie künftige Kollektionen aussehen könnten, ohne von unserem derzeitigen Weg abzuschweifen.

S: Hat das Feedback von Athlet\*innen und Outdoorfans Einfluss auf das Schuhdesign bei Salomon?

MCG\: Ja, sogar großen Einfluss! Salomon hat bei der Produktentwicklung schon immer auf das enge Verhältnis zu Athlet\*innen und seiner Community vertraut. Beispielsweise organisieren wir Fokusgruppen, um uns Rückmeldung aus der Community zu Produkten oder Farben einzuholen. Ich scrolle unwahrscheinlich gern durch die Kommentare bei Instagram, um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, was den Leuten gut und was ihnen nicht so gut gefällt. Manchmal helfen uns die kritischsten Reaktionen am meisten weiter, wenn es um die Ausrichtung künftiger Kollektionen geht.

S: Ein Blick voraus: Welche Trends oder Fortschritte können wir in künftigen Schuhdesigns von Salomon erwarten?

MCG\: In den letzten Jahren haben sich immer mehr Menschen für die Natur begeistert. Sie sind auf der Suche nach diesem einzigartigen Gefühl von Freiheit, das nur die Natur und der Aufbruch an neue Orte versprühen kann. Dabei bringen sie neue Einflüsse mit, die sich auf die zukünftige Marschroute im Outdoorbereich auswirken. Das lehrt uns, noch mehr auf Inklusion zu setzen und Produkte zu entwickeln, mit denen wir bei Salomon all diese neuen Outdoorfans mit offenen Armen empfangen können.

“Am meisten mag ich am Speedcross 3, dass er die ursprüngliche Designsprache und DNA bis zum heutigen Tag beibehalten hat. Der erste Speedcross war ein ziemliches Underground-Produkt, es ging allein um Performance. ”

Warren Bosomworth

Ehemaliger Schuhdesigner bei Salomon

Im Jahr 2006 entwickelte Salomon einen neuen Trailrunning-Schuh, da die Nachfrage nach immer schnelleren und leichteren Laufschuhen stieg – im Vergleich zu eher robusten Wanderschuhen wie den 1994 auf den Markt gebrachten Salomon Adventure 7\. Inspiriert von den eigenen Mitarbeitenden, Designteams, Athlet\*innen sowie von lokalen Laufwettkämpfen in der Nähe des Unternehmenssitzes in Annecy in den französischen Alpen kam Reglan G Brewer, Schuhdesigner bei Salomon, auf die Idee, ein leichtes Modell mit ordentlich Grip und Schutz zu entwickeln. Da sein Vertrag bei Salomon bald enden sollte, war dies seine letzte Chance, einen aufregenden Schuh zu kreieren.

So kam es, dass sein Schuh eine Revolution bei Salomon lostrat, die Grenzen des Berglaufsports verschob und die Geburtsstunde des modernen Trailrunnings einläutete. Der Speedcross war geboren – konzipiert für schnelles Laufen in den Bergen. Gleichzeitig schützte er die Füße vor Steinen und Hindernissen und sorgte auf nassem Untergrund und im Schlamm für Stabilität. Der Speedcross schlug derart ein, dass er mehrere Male überarbeitet und auch von einem Publikum außerhalb der Outdoorszene gefeiert wurde.

EIN BLICK ZURÜCK AUF DEN ERSTEN SPEEDCROSS 3: STABILITÄT & ERFOLG IM MAINSTREAM

Im Jahr 2011 präsentierte Salomon die dritte Version des Speedcross – ein bedeutender Schritt zu mehr Stabilität und Akzeptanz. Designer Warren Bosomworth, der für Salomon Trailrunning-Schuhe entwarf, stellte 2010 den ersten Prototyp des Speedcross 3 vor. Nach positiven Rückmeldungen von Trailrunner\*innen kam eine Überarbeitung des Speedcross 3 auf den Markt. Charakteristisch für dieses Modell waren eine breitere Ferse für mehr Stabilität, ein nahtlos geschweißter Schaft (passend zu anderen Produkten von Salomon zu dieser Zeit), eine EVA-Zwischensohle mit mehr Dämpfung sowie ein tieferes Stollenprofil in der Außensohle, die sich bei Krafteinwirkung verformte – der Speedcross 3 war damit der Inbegriff von Innovation.

„Am meisten mag ich am Speedcross 3, dass er die ursprüngliche Designsprache und DNA von Salomon bis zum heutigen Tag beibehalten hat. Der erste Speedcross war ein ziemliches Underground-Produkt, das auf Athleten- und Designseite dafür gefeiert wurde, dass es rau war und ohne skurrile Designelemente auskam. Es ging allein um Performance. Der Schuh ließ sich allerdings nur schwer verkaufen, obwohl er leicht war und viel Grip und Schutz bot. Doch das reichte damals nicht aus“, so Warren Bosomworth, ehemaliger Schuhdesigner bei Salomon.

“Die ungeschliffene Ästhetik ist absolut einzigartig. Das Design erhebt nicht den Anspruch, Leute außerhalb der Trailrunning-Szene anzusprechen. Je mehr man ein Modell auf Mainstream trimmt, desto uninteressanter wird es. ”

Warren Bosomworth

Ehemaliger Schuhdesigner bei Salomon

Der Speedcross 3 ist den ursprünglichen Designgrundsätzen von Salomon treu geblieben und baut weiterhin auf die einzigartige sensiFit™-Konstruktion und das PowerBand. So bleibt die unverkennbare Form erhalten. Dank Top-Athleten wie dem schottischen Bergläufer Tom Owens erlangte der Speedcross 3 Aufsehen in der Trailrunning-Community, da er seine Zuverlässigkeit in verschiedenen Rennen und Landschaften immer wieder unter Beweis stellte.

Nachdem er 2007 erstmals in einem Speedcross lief, bestritt Tom Owens all seine Trail-Wettkämpfe zwischen 2008 und 2011 mit einem Speedcross 2 bzw. 3\. Dabei gewann er den Transalpine-Run 2009 und 2010, die Syraid World Championships of Italy im Jahr 2010 und das Sentiero delle Grigne Skyrace Final 2011.

„Er war völlig anders, als all die Schuhe, die es damals in Großbritannien gab. Er war superbequem auf den Trail-Abschnitten und hatte gleichzeitig guten Grip. Man konnte ihn im Grunde auf jedem Terrain laufen und die Passform war überragend!“

Auch 2024 feiert Salomon sein unvergleichliches Vermächtnis im Outdoorbereich und die langjährige Lauftradition des Speedcross 3, ohne den Blick auf den Fashion-Bereich zu verleugnen. Der ursprünglich für innovative, rebellische Performance konstruierte Speedcross 3 erfindet sich in der Gegenwart wieder einmal neu und erschließt sich einer Creator-Community, die auf grenzenlose Selbstentfaltung und kollektives Empowerment setzt.

Getreu dem ursprünglichen Ethos und Design wird der Speedcross mit der Farbvariante Sulphur (ein Original aus dem Jahr 2011) in denselben kräftigen und lebendigen Farben wie bei seiner Marktpremiere neu aufgelegt. Eine verwegene, unkonventionelle Silhouette, die auch weiterhin eine Brücke zwischen Performance-Produkt und ganz besonderem Statement für Individualismus schlägt.

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