Über die Kunst und Vollendung des Skischuhdesigns: Farbgestalterin Morgane Vernic im Interview
Morgane hat einen ganz besonderen Weg zurückgelegt – aus dem mütterlichen Studio für Glasmalerei zog sie hinaus in die Welt, wo sie ihr künstlerisches Glück und ihre Leidenschaft für das Design von Skischuhen fand. Seit ihrer Kindheit war Morgane von Kreativität umgeben und so ist es kein Wunder, dass sie schon früh selbst gestalterisch tätig wurde. Am Ende beschloss sie ihre Ausbildung mit einem Master in Farb- und Produktgestaltung. Anschließend ging sie in die dynamische Sportbranche, wo sie derzeit als CMF-Designerin aufblüht. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf den kreativen Werdegang von Morgane und ihren einzigartigen Ansatz bei der Gestaltung von Skischuhen.
“Skifahren wird stark von Kultur und Geografie beeinflusst und bringt dadurch einzigartige Herausforderungen mit sich. Ich tauche in die Skikultur ein, indem ich Festivals besuche, in lokalen Läden stöbere und natürlich selbst auf die Piste gehe. ”

Morgane Vernic
SALOMON: Schön, dass du Zeit für dieses Interview gefunden hast. Vielleicht kannst du zu Beginn etwas Persönliches erzählen und uns verraten, wie du zum Skischuhdesign mit Fokus auf Farben und Materialien gekommen bist.
Morgane Vernic: Ich heiße Morgane und beschäftigte mich als CMF-Designerin mit Farben, Materialien und Oberflächen. Meine Mutter hat eine Werkstatt für Glasmalerei, in der ich praktisch aufgewachsen bin. Dadurch war ich seit frühester Kindheit in einer Welt voller Farben, Pigmente und Materialien zu Hause. Das hat meine Leidenschaft für Design entfacht und mir einen Master-Abschluss in Farb- und Produktgestaltung eingebracht. Beruflich war die Sportbranche mit ihrem einzigartigen Teamgeist und dem fortwährenden Innovationsdrang für mich schon immer reizvoll und interessant. Aus diesem Grund arbeite ich seit 2016 im Schuhdesign. Anfangs ging es um Fußballschuhe bei adidas und seit 2019 gestalte ich Skischuhe für Salomon.
S: Welchen Ansatz verfolgst du bei der Farb- und Materialauswahl für Skischuhe, um eine gesunde Balance zwischen Ästhetik und Funktionalität zu finden?
MV: Jede Wintersportart hat ihre eigenen Facetten. Vor allem das Skifahren wird stark von Kultur und Geografie beeinflusst und bringt dadurch einzigartige Herausforderungen mit sich. Um die richtige Balance zu finden, tauche ich tief in die Skikultur ein. Dazu besuche ich Festivals, stöbere in lokalen Läden und gehe natürlich selbst auf die Piste. Wenn ich die Bedürfnisse und Vorlieben von Skifahrer*innen genau kenne, kann ich sicherstellen, dass unsere Designs sowohl optisch als auch in puncto Funktion überzeugen.
S: Kannst du uns etwas mehr über den Kreativprozess bei der Entwicklung neuer Farbkonzepte für Skischuhe erzählen?
MV: Am Anfang steht immer das so genannte Color Camp. Dabei stecken alle Kreativen aus der Grafik- und Produktgestaltung der für Wintersportarten zuständigen Abteilung ihre Köpfe zusammen, um Ideen auszutauschen. Bei diesen Brainstormings ermitteln wir Trends, die für die einzelnen Skidisziplinen von Bedeutung sind. Das für Alpinski zuständige Team erstellt Moodboards für die verschiedenen Skitechniken, die dann als Grundlage für die gesamte Skischuhkollektion dienen.
S: Welche Faktoren musst du bei der Materialauswahl für Skischuhe berücksichtigen? Und wie wirken sich diese auf das Design insgesamt aus?
MV: Die Materialauswahl hängt immer von der Disziplin und den kulturellen Vorlieben ab. Beispielsweise achten die Leute bei Skitouren vor allem auf geringes Gewicht. Daher beschäftige ich mich in diesem Segment viel mit Mesh. Freeride-Fans verlassen sich eher auf Outdoortextilien wie Ripstop. Wer gern sportlich auf der Piste unterwegs ist, bevorzugt High-Performance-Materialien wie in der Formel 1.
S: Wie informierst du dich über aktuelle Farb- und Materialtrends in der Skibranche?
MV: Ich reise jedes Jahr zu den Ski-Hotspots in Europa und den USA, nehme an Skitests und Branchenmessen teil und sammle Feedback von Athlet*innen, die unsere Zentrale in Annecy besuchen. Durch diesen Austausch bleibe ich über neue Trends immer auf dem Laufenden und kann dafür sorgen, dass unsere Designs diesen Trends folgen und zeitgemäß sind.
“Mit unserem Wissen um die psychologische Wirkung von Ästhetik können wir Athlet*innen ein Gefühl von Selbstbewusstsein und Stärke verleihen – unabhängig von ihrem Leistungsniveau. ”

Morgane Vernic
S: Hast du ein Beispiel für ein besonders anspruchsvolles Projekt parat, das in puncto Farb- und Materialauswahl große Herausforderungen an dich gestellt hat? Und wie bist du diesen Herausforderungen begegnet?
MV: Jedes Jahr bringt neue Herausforderungen mit sich. Das gilt vor allem dann, wenn mutige neue Farben auf einem eher konservativen Markt eingeführt werden sollen. Dabei gilt es, eine gute Balance zwischen Innovation und Markterwartung zu finden. So konnten wir spannende neue Farben wie das Violett beim SHIFT ALPHA, das Pink beim S/PRO SUPRA oder das Gold beim S/PRO ALPHA finden.
S:Wie arbeitest du mit den anderen Mitgliedern des Designteams sowie mit den Herstellern zusammen, um deine Ideen zum Leben zu erwecken?
MV: Besonders enger Austausch besteht mit den Designteams für Alpinski. Dabei setzen wir auf Moodboards und verfeinern unsere Ideen im Laufe der Saison immer weiter. Entscheidend ist die Zusammenarbeit mit Romain Guillame, dem Produktdesigner für Skischuhe. Wir arbeiten praktisch Hand in Hand und verbessern uns gegenseitig. Darüber hinaus pflege ich einen direkten Draht zu den Marketing- und Entwicklungsteams, um sicherzustellen, dass unsere Designs den Bedürfnissen und Trends des Marktes entsprechen.
“Wir wollen die Grenzen immer weiter verschieben und dabei Nachhaltigkeit in allen Aspekten unseres Designprozesses berücksichtigen. ”

Morgane Vernic
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S: Welche Rolle spielen Haltbarkeit, Gewicht oder ökologische Nachhaltigkeit beim Designprozess?MV: Nachhaltigkeit hat für mich Priorität – sowohl privat als auch beruflich. Zwar setzen wir bei unseren Designs auf nachhaltige Materialien und konzentrieren uns darauf, den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte zu reduzieren. Aber am Ende kommt es auf ein gesundes Gleichgewicht an, da einige recycelte Materialien auch unerwünschte negative Umweltauswirkungen haben können.S: Wie stellst du sicher, dass deine Designs die unterschiedlichen Leistungsstufen – ob Neulinge oder Fortgeschrittene – überzeugen? MV: Skifans aller Leistungsstufen haben individuelle Bedürfnisse und Vorlieben. Unsere Designs haben den Anspruch, diese Vielfalt widerzuspiegeln. Mit unserem Wissen um die psychologische Wirkung von Ästhetik können wir Athlet*innen ein Gefühl von Selbstbewusstsein und Stärke verleihen – unabhängig von ihrem Leistungsniveau.S: Werfen wir einen Blick voraus: Welche Innovationen oder Trends haben deiner Meinung nach das Zeug dazu, die Zukunft der Farb- und Materialgestaltung bei Skischuhen zu prägen? MV: Bei Farbe und Materialien ist die Innovationskraft wahrscheinlich eingeschränkt. Meiner Meinung nach liegt die Zukunft des Skischuhdesigns vorrangig auf Produktinnovationen und Nachhaltigkeit. Wir gehen davon aus, dass ein Wandel zu geschlechtsneutralen Farben und hochwertigen Verleihangeboten stattfinden wird. Letztlich wollen wir die Grenzen immer weiter verschieben und dabei Nachhaltigkeit in allen Aspekten unseres Designprozesses berücksichtigen.
Durch konstruktive Zusammenarbeit und viel Liebe zum Detail gelingt es Morgane, ihre kreativen Ideen zum Leben zu erwecken. Dabei stellt sie sicher, dass ihre Designs Skifahrer*innen aller Leistungsstufen überzeugen. Zukünftig werden ihrer Ansicht nach Produktinnovationen und Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielen. Morgane versucht bei ihrer Arbeit, die Grenzen immer wieder neu zu verschieben und den Fokus auf mehr Umweltbewusstsein zu richten. Der Werdegang von Morgane zeugt von der transformativen Kraft, die in der Kreativität und Hingabe für Skischuhdesign steckt.