Über die Kunst und Fertigkeit des Farbdesigns bei Schuhen: ein Gespräch mit Salomon Designerin Myriam Córdoba
Myriam Córdoba ist in der spanischen Hauptstadt Madrid aufgewachsen und hatte schon immer ein Faible für Kreatives. Ihr Weg zur Designerin war dabei ziemlich abenteuerlich: Nachdem sie ihr Heimatland schon in jungen Jahren verlassen hatte, um ihren Traum von einer Karriere im kreativen Bereich zu verwirklichen, landete sie schließlich in Paris. Dort schloss sie ein Studium in Visueller Kommunikation und Art Direction ab. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen Bereichen, darunter in der Architektur, im Produktdesign, in der Werbung, in der Gaming-Branche oder als Buchillustratorin. Auf jeder dieser Etappen lernte sie etwas Neues, das ihren Designansatz geprägt hat. In der Sportschuhbranche begann sie zunächst bei adidas, wo sie ihre Leidenschaft für CMF-Design (Farben, Materialien, Oberflächen) entdeckte. Heute arbeitet sie als CMF-Designerin bei Salomon in den Alpen, wo sie ihren reichen Erfahrungsschatz und ihre einzigartigen Perspektiven einbringt.
“ Irgendwie hat mich das Universum zum CMF-Design gebracht. Während meines Studiums habe ich mich im Rahmen einer Projektarbeit mit der Bedeutung von Farbe im Design und ihrem enormen Einfluss auf Zielgruppen beschäftigt, vor allem hinsichtlich der Zugänglichkeit. Ohne es zu wissen, spielten Farben schon immer eine zentrale Rolle in meiner Arbeit als Designerin. ”
Myriam Cordoba
Salomon Designerin
SALOMON: Wodurch bist du zum Farbdesign bei Schuhen gekommen?
Myriam Córdoba: Irgendwie hat mich das Universum zum CMF-Design gebracht. Während meines Studiums habe ich mich im Rahmen einer Projektarbeit mit der Bedeutung von Farbe im Design und ihrem enormen Einfluss auf Zielgruppen beschäftigt, vor allem hinsichtlich der Zugänglichkeit. Ohne es zu wissen, spielten Farben schon immer eine zentrale Rolle in meiner Arbeit als Designerin. Ein echter Wendepunkt war, als mein Head of Color bei adidas auf mein Projekt aufmerksam geworden war und auf mich zukam. Wir hatten dann ein längeres Gespräch, in dem sie mich in die Welt des CMF-Designs einführte. Damals hatte ich ehrlich gesagt keine Ahnung, was das ist. Aber ich habe die Chance beim Schopfe gepackt und sie hat sich zu meiner wahren Leidenschaft entwickelt. Am meisten fasziniert mich, dass Farbe die Geschichte eines Produkts völlig neu schreiben kann. Durch Farben und Materialien können wir unendlich viele Narrative kreieren, die mit der Zeit gehen und sich am Mindset der Menschen orientieren. Ich finde es beeindruckend, dass ein und derselbe Schuh nur durch eine etwas andere Farbgebung oder ein unerwartetes Detail seinen eleganten Look in etwas Rebellisches, Punkiges verändern kann. Das ist die Magie des Farbdesigns!
S: Welchen Ansatz verfolgst du, um beim Farbdesign für Schuhe eine gesunde Balance zwischen Ästhetik und Funktionalität zu finden?
MC: Für mich geht es immer um die Harmonie zwischen Form und Funktion. Die Ästhetik ist wichtig, um die Blicke der Menschen auf das Produkt zu lenken; aber erst durch die Funktionalität lassen sie sich nachhaltig überzeugen. Mein Hauptaugenmerk liegt darauf, den Zweck des Produkts und die Bedürfnisse der Zielgruppe genau zu verstehen. Dabei achte ich darauf, dass die Farben das Design nicht nur visuell bereichern, sondern sich auch positiv auf die Performance auswirken. Darüber hinaus berücksichtige ich die ästhetischen und kulturellen Umgebungen, in denen das Produkt verwendet werden soll. Je nach Kontext ist dabei ein anderer Ansatz erforderlich. Das Wichtigste sind Farben, die sich für den Lifestyle und das Umfeld der Zielgruppe authentisch und bedeutsam anfühlen. Nur durch das Verständnis dieser Umgebungen kann ich Designs hervorbringen, die bei der Zielgruppe überzeugend ankommen.
S: Kannst du uns etwas mehr über den Kreativprozess bei der Entwicklung neuer Farbkonzepte für Schuhe erzählen?
MC: Mein Kreativprozess beginnt immer mit einer detaillierten Recherche. Ich beschäftigte mich intensiv mit Trendanalysen, Insights zur Zielgruppe und kulturellen Einflüssen. Dabei berücksichtige ich die ästhetischen und funktionalen Umgebungen, in denen das Produkt zum Einsatz kommen soll. Für mich geht es nicht darum, irgendwelchen Trends hinterherzujagen. Mich interessiert vielmehr, wie Farben mit den Emotionen und dem Lebensstil der Zielgruppe in Verbindung treten können. Ausgehend davon erstelle ich Moodboards, auf denen ich die wesentliche Story festhalte, die ich erzählen will. Dabei erkunde ich Farbtöne, die mit dem Zweck des Produkts sowie seinem kulturellen bzw. ökologischen Kontext harmonieren. Dieser Prozess gleicht einer ständigen Entdeckungsreise, bis ich ein finales Design gefunden habe, das sowohl überzeugend als auch sinnstiftend für die Zielgruppe ist.
S: Welche Faktoren musst du bei der Materialauswahl für Schuhe berücksichtigen? Und wie wirken sich diese auf das Design insgesamt aus?
MC: Die Materialauswahl ist extrem wichtig. Sie hat Einfluss auf die Textur, die Haltbarkeit oder auch die Farbwahrnehmung. Für mich kommt es vor allem auf die Strapazierfähigkeit, die Umweltverträglichkeit und den gewünschten Verwendungszweck des Schuhs an. Das richtige Material optimiert nicht nur den Look, sondern steht auch mit den Werten und dem Leistungsanspruch der Marke im Einklang. Manche Projekte sind in puncto Haltbarkeit und anderen technischen Aspekten derart komplex, dass der Kreativität enge Grenzen gesetzt sind. Darin liegt die Herausforderung.
“Durch Plattformen wie Instagram oder TikTok kann ich ästhetische Neuerungen in Echtzeit verfolgen. Mir gefällt, wie umfassendere kulturelle Veränderungen neue Ideen für meine Designs hervorbringen können. Oft inspirieren mich Dinge, von denen man es am wenigsten erwarten würde wie zum Beispiel Anzeigen in einem Magazin, Street Art oder die Farben in der Natur.”
Myriam Cordoba
Salomon Designerin
S: Wie informierst du dich über aktuelle CMF-Trends in der Branche?
MC: Eine gesunde Neugier ist für meine Arbeit unerlässlich. Dadurch bleiben die Ideen frisch und gehen mit der Zeit. Außerdem glaube ich an die Kraft von Verbindungen. Das kann die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, der Besuch bei Fachmessen, ein Rundgang im Museum oder auch ein Spaziergang in meinem Viertel sein, bei dem ich mich vom Look der Leute inspirieren lasse. Mit dem richtigen Blick findet man überall Inspiration. Soziale Medien und kulturelle Bewegungen spielen für mich ebenfalls eine wichtige Rolle. Durch Plattformen wie Instagram oder TikTok kann ich ästhetische Neuerungen in Echtzeit verfolgen. Mir gefällt, wie umfassendere kulturelle Veränderungen neue Ideen für meine Designs hervorbringen können. Oft inspirieren mich Dinge, von denen man es am wenigsten erwarten würde wie zum Beispiel Anzeigen in einem Magazin, Street Art oder Farbgebungen in der Natur. Ich bin ständig damit beschäftigt, Bildmaterial zu sammeln und zu katalogisieren, sei es aus Zeitschriften, Büchern, dem Internet oder sozialen Medien. Mit der Zeit hat sich daraus ein persönliches Archiv entwickelt, aus dem ich beim Designprozess schöpfen kann. Für mich geht es darum, offen zu bleiben und nicht nur traditionelle Quellen, sondern die gesamte Welt um mich herum als Inspirationsquelle zuzulassen.
S: Wie arbeitest du mit anderen Mitgliedern des Designteams sowie mit den Herstellern zusammen, um deine Ideen zum Leben zu erwecken?
MC: Eine spannende Frage! Für mich funktioniert Design nur im Team. Denn beim Design spielen viele kluge Köpfe zusammen, die mit ihrer Hingabe, Zeit und Energie etwas Wunderbares kreieren. Zusammenarbeit steht bei uns im Mittelpunkt, es ist ein ständiger Austausch und Dialog. Mit dem Designteam besprechen wir zunächst unsere Ideen, spielen uns verschiedene Konzepte hin und her und greifen auf die Stärken der jeweils anderen zurück. Es geht darum, offen für Feedback zu sein und zu verstehen, wie verschiedene Perspektiven die ursprüngliche Vision verbessern können.
“Jede Entscheidung, die wir im Designprozess treffen, kann einen sinnvollen Beitrag leisten. Das liegt mir sehr am Herzen. Mein Team ist vielleicht schon genervt von diesem Thema, wenn ich die Anzahl der Farben, die es in jeder Saison verwenden kann, begrenze. Aber am Ende ist es für einen guten Zweck.”
Myriam Cordoba
Salomon Designerin
S: Welche Rolle spielen Haltbarkeit, Gewicht oder ökologische Nachhaltigkeit beim CMF-Design von Schuhen?
MC: Farben spielen eine wichtige Rolle bei der Nachhaltigkeit. Die richtige Farbauswahl kann hier einen riesigen Unterschied ausmachen: Wenn man Produkte kreiert, die auch über Jahre hinweg nichts von ihrer Attraktivität verlieren, wird nicht ständig etwas Neues nachgekauft. Daneben setzen wir auf neue Technologien wie zum Beispiel wasserlose Färbeprozesse, um unsere Umweltauswirkungen zu reduzieren. Am Ende geht es nicht nur darum, dass etwas gut aussieht, sondern um durchdachte Entscheidungen, die zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen. Jede Entscheidung, die wir im Designprozess treffen, kann einen sinnvollen Beitrag leisten. Das liegt mir sehr am Herzen. Mein Team ist vielleicht schon genervt von diesem Thema, wenn ich die Anzahl der Farben, die es in jeder Saison verwenden kann, begrenze. Aber am Ende ist es für einen guten Zweck.
S: Was war bisher dein Lieblingsprojekt bei Salomon und warum?
MC: Es gab schon viele Projekte, die mir richtig viel Spaß bereitet haben. Aufregend fand ich unter anderem die RANRA Collabos, da ich hierbei sehr viele Freiheiten in Sachen Details und Farbanwendung hatte. Mein Lieblingsprojekt waren allerdings die ersten Skyline Colourways, die ich für die Kollektion Frühjahr/Sommer 2022 für den XT-6 entwickelt habe. Nicht etwa, weil es technisch anspruchsvoll war, sondern vielmehr aufgrund der Reaktionen. Es war ja fast schon ein Sakrileg, bei einer Legende wie dem XT-6 Farben zu verwenden. Ich weiß noch genau, wie mich die anderen am Tisch ungläubig anstarrten. Heute machen wir so etwas ständig und mein Team ist sogar noch kreativer. Aber als ich das erste Mal die Entwürfe präsentierte ... Das war schon unbezahlbar. (Lacht.)
S: Werfen wir einen Blick voraus: Welche Innovationen oder Trends haben deiner Meinung nach das Zeug dazu, die Zukunft des Farbdesigns für Schuhe zu prägen?
MC: Trends werden immer schnelllebiger, es geht nicht mehr um Einheitslösungen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, was wir zum Ausdruck bringen wollen, welche Storys wir mit unserem Look erzählen möchten. Personalisierung und Selbstentfaltung sind Schlagwörter der Zukunft. Das finde ich überaus spannend. Bei den Innovationen wird das Thema Nachhaltigkeit weiter im Mittelpunkt stehen. Wir entwickeln immer mehr Technologien, mit denen sich die Umweltauswirkungen der Branche verringern lassen. Wer wissen will, was mich kreativ gerade inspiriert, muss nur einen Blick auf meine Social-Media-Storys werfen. Dort kann man sehen, worum sich meine Gedanken aktuell drehen.
Myriam Córdoba ist über Umwege aus Madrid in die Alpen gekommen, wo sie als leidenschaftliche, vielseitige und kreative CMF-Designerin ihre Berufung gefunden hat. Mit Hingabe verbindet sie Ästhetik und Funktionalität, bleibt neugierig und behält Trends im Blick, wobei die Themen Nachhaltigkeit und Innovationen für ihr Farbdesign eine wichtige Rolle spielen. Während sie weiterhin neue Grenzen und Ideen auslotet, dürfte Myriams inspirierende, fesselnde Arbeit bei Salomon neue Branchenstandards setzen.